Fotos: Alt-Alfeld, Susanne Röthig

Folge 1: Die Paulistraße

Wandel vom Handel zur Dienstleistung | Der direkte Weg in die Stadt  

(sr)
Was war, was ist, was wird vielleicht sein?
In einer Serie stellt Ihnen die SIEBEN: regional Alfelds Innenstadtstraßen vor. Wir danken Matthias Quintel und Thorsten Schütz, dass sie uns ihre Fotoschätze der Internetseite alt-alfeld zur Verfügung stellen und den Stadtführern des Vereins für Heimatkunde für Hinweise auf Besonderheiten, die einige Gebäude zu bieten haben. Gehen Sie, liebe Leser*innen, mit offenen Augen, die auch mal nach oben gerichtet sein dürfen, durch die Innenstadt und wenn Sie mehr wissen wollen: Stadtführung über das Bürgeramt Alfeld buchen. 

Den Namen hat sie von der gleichnamigen Kapelle St. Pauli, die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts an der Ecke Leinstraße/Paulistraße (heute Pico Bella) gestanden hat: Die Paulistraße. Gärten sorgten vor vielen Jahren hinter den Häusern am Südwall für die Ernährung der Hauseigentümer. In den siebziger Jahren drückten die heutigen Best-Ager besonders vor Weihnachten ihre Nasen am Dettmer-Schaufenster mit dem aktuellen Spielzeugsortiment platt oder beobachteten bei Röttger das Wunschhaustier, während die Mütter Saatgut für den heimischen Garten kauften. Gegenüber dufteten seit 1921 Fleisch und Würste der Schlachterei Osten verführerisch. Großstadtflair verbreitete die futuristisch anmutende Fassade von Elektro-Fischer Mitte der 1970er Jahre.

Das Bild der Straße hat sich deutlich gewandelt. Second-Hand-Bekleidung, Postdienstleistungen und Immobilien werden verkauft. Krankenversicherte und Parteimitglieder finden eine Anlaufstelle. Das Handwerk ist mit einem Friseur vertreten, ein Arbeitsmarktexperte bietet seine Dienste an. Parkplätze und Durchgänge sorgen für die schnelle Erreichbarkeit, die den Kunden wichtig ist. 

Eine Konstante ist geblieben: Seit vielen Jahrzehnten gehen Friseurmeister und -meisterinnen mit ihren Mitarbeitenden in der Hausnummer 3 ihrem Handwerk nach. 1987 übernahm Martina van Dort das Geschäft vom Vorgänger Dietrich Antosch und ist seitdem mit ihrem Team für ihre Kundinnen und Kunden da. Am „Salon Tina“ hängt heute noch das alte Zunftzeichen der „Barbiere“: Eine silberne Metallschale, in der früher der Rasierschaum geschlagen wurde. Heute zeigt er an, dass der Laden geöffnet hat.

Foto: Susanne Röthig

Der Name Osten findet sich auch heute noch an der Paulistraße: Monika Osten, die damalige Chefin der Schlachterei, vermietet Ferienwohnungen und Zimmer. Besonders Fahrradtouristen schätzen das familiäre Umfeld, genießen den schönen Innenhof und die Erreichbarkeit der Sehenswürdigkeiten. „Das Welterbe, die historische Altstadt, Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten gefällt meinen Gästen“, weiß Monika Osten. „Es ist einfach schön hier“.

Eine grüne Oase verbirgt sich im Innenhof der ehemaligen Schlachterei Osten. Foto: Susanne Röthig

„Die Barmer hat hier in den Standort Alfeld investiert, um unseren Versicherten persönliche Ansprechpartner und Beratung in einem modernen, zeitgemäßen Umfeld zu bieten“, erläutert Regionalgeschäftsführer Daniel Oppermann, der für die Filialen in Alfeld und Hildesheim zuständig ist. Gemeinsam mit Frank Grünke, Daniel Böhmer und Anja Reinsch ist er Ansprechpartner für Barmer-Versicherte und alle, die es eventuell werden möchten. Ergänzt wird das Team durch Claudia Bode, Jens Gerke und Karsten Hahn.

Das Team der Barmer: v.l.n.r. Daniel Oppermann, Frank Grünke, Daniel Böhmer und Anja Reinsch.
Foto: Susanne Röthig

Auch Dr. Rüdiger Czapla ist mit der Lage seines Büros und auch den Möglichkeit des Immobilienverkaufs und der Vermietung zeitgemäß instandgesetzter Wohnungen in der Leinestadt sehr zufrieden. 2014 hat der 65-Jährige das Maklerbüro an der Paulistraße 10 von Ursula Kiehne übernommen. „Junge Familien aus den Ballungsräumen Hannover und Göttingen fragen vermehrt Immobilien im Mittelzentrum Alfeld nach. Der Wunsch nach mehr Lebensqualität und bezahlbarem Wohnraum, aber auch die Angst vor Terroranschlägen und nicht zuletzt die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind einige Gründe dafür. Die Stadt punktet mit dem Bahnhof, der in Nord-Süd-Richtung eine gute Anbindung bietet, dem breiten Spektrum an Ärzten, Schulformen, Kinderbetreuung und Freizeitmöglichkeiten“, weiß der Immobilienmakler. Für die Stadtentwicklung wünscht sich der Fachmann neben den Anstrengungen, Wohnraum für Senioren zu schaffen auch Konzepte für Familien und eine vorteilhaftere Präsentation der Stadt. „Ich sehe den Immobilienmarkt sehr positiv und die Preise zukünftig durchaus weiter steigend.“ 

Kiehne Immobilien ist seit rund 20 Jahren an der Paulistraße 10 ansässig. Hier der Blick vom Südwall.
Foto: Susanne Röthig

Juliane Knust, die als Ansprechpartnerin des Pflegeheimes Dr. E. A. Wilkening, an der Paulistraße 4 ihr Kontaktbüro hat, ist mit der Lage ebenfalls sehr zufrieden. „Die schnelle Erreichbarkeit ist für uns sehr wichtig und immer wieder kann ich beobachten, dass das Fachwerkgebäude, dessen Balkenkonstruktion 1650 errichtet wurde, von Touristen intensiv in Augenschein genommen wird.“

Seit Anfang 2020 werden die politischen Geschicke der SPD vom Standort an der Paulistraße 6 koordiniert. Hier befinden sich die Wahlkreisbüros des Landtagsabgeordneten Volker Senftleben und des Bundestagsabgeordneten Bernd Westphal sowie die Geschäftsstelle für die SPD-Mitglieder aller Ortsvereine des SPD-Stadtverbandes und natürlich der Anlaufpunkt für alle Bürgerinnen und Bürger. Die Präsenz zur Innenstadt und die gute Erreichbarkeit werden von den Abgeordneten und den Alfelder Politikerinnen und Politkern sehr geschätzt. Und die Alfelder Bevölkerung hat zu unserer Freude das Büro sehr gut als Anlaufstelle angenommen,“ so der Stadtverbandsvorsitzende Jörg Schaper.

links Volker Senftleben, MdL und rechts Bernd Westphal, MdB
Foto: Susanne Röthig

Das Pauli 5 ist mit seinem umfangreichen Second-Hand-Sortiment für alle, die günstig einkaufen wollen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist und die mit dem Kauf der angebotenen Spielwaren, Bekleidung, Deko-Artikeln und Haushaltswaren die Marianne-Tewes-Stiftung unterstützen wollen, eine gute Adresse. „Unsere etwa 15 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen verkaufen montags, mittwochs und freitags die gespendeten Sachen. Spielwaren sind besonders gefragt“, sagt Katrin Wittke, die neben ihrer Tätigkeit im Vorstand der Stiftung für die Koordination rund um das Pauli 5 zuständig ist. „Wir haben durch die schnelle Erreichbarkeit viele Kunden, die entweder auf Schnäppchensuche sind oder gezielt Artikel kaufen möchten, die sie gerade benötigen. Wir erhalten ständig sehr gut erhaltene Bekleidung von Spender*innen. Somit können wir immer wieder andere Artikel anbieten. Der gesamte Ertrag kommt Projekten der Marianne Tewes-Stiftung zugute.“ 

Gabriele Rogalla, Katrin Wittke, Sonja Buckendahl und Christa Tönnies freuen sich über die von Daniel Beierstädt gespendete Kleidung. Foto: Susanne Röthig

Der Gebäudekomplex Paulistraße 6 und 7 war seit ca.1900 im Besitz der Familie Dettmer. In der Anfangszeit wurde dort ein Korbwarenhandel betrieben, daraus entwickelte sich ab 1949 der Verkauf von Haushalts- und Spielwaren sowie Gartenmöbeln. Das Geschäft wurde von den Eheleuten Dettmer bis 1998 betrieben und die Immobilien im darauffolgenden Jahr an den Bauingenieur Ulrich Keck verkauft. Er hat die Gebäude in den Erdgeschossen und den Parkplatz komplett umgestaltet. Zwischen den beiden Häusern entstand die Postpassage, an der seitdem die Post und die Barmer Geschäftsräume für ihre Filialen nutzen. Die Passage bietet einen kurzen Weg in die Stadt und der vom Südwall zu befahrende Parkplatz erlaubt Kunden ohne lange Fußwege die dortigen Angebote zu nutzen. „Der Wohnraum in den oberen Stockwerken ist weitestgehend erhalten geblieben. Außerdem habe ich hier mein Büro eingerichtet“, erläutert Ulrich Keck. „Mir als gebürtigem Alfelder liegt die Stadt sehr am Herzen und ich fühle mich am Standort wohl. Schön ist es, wenn das Stadtbild gepflegt aussieht. Ein von mir beauftragter Reinigungsdienst sorgt daher regelmäßig für die Sauberkeit im Umfeld der Immobilie.“

Das Haus Nr. 11 der ehemaligen Buchdruckerei Stegen ist reich mit dem Symbol der Weisheit verziert. Foto: Susanne Röthig

Auch Dr. Rüdiger Czapla ist mit der Lage seines Büros und auch den Möglichkeit des Immobilienverkaufs und der Vermietung zeitgemäß instandgesetzter Wohnungen in der Leinestadt sehr zufrieden. 2014 hat der 65-Jährige das Maklerbüro von Ursula Kiehne übernommen. „Junge Familien aus den Ballungsräumen Hannover und Göttingen fragen vermehrt Immobilien im Mittelzentrum Alfeld nach. Der Wunsch nach mehr Lebensqualität und bezahlbarem Wohnraum, aber auch die Angst vor Terroranschlägen und nicht zuletzt die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind einige Gründe dafür. Die Stadt punktet mit dem Bahnhof, der in Nord-Süd-Richtung eine gute Anbindung bietet, dem breiten Spektrum an Ärzten, Schulformen, Kinderbetreuung und Freizeitmöglichkeiten“, weiß der Immobilienmakler. Für die Stadtentwicklung wünscht sich der Fachmann neben den Anstrengungen, Wohnraum für Senioren zu schaffen auch Konzepte für Familien und eine vorteilhaftere Präsentation der Stadt. „Ich sehe den Immobilienmarkt sehr positiv und die Preise zukünftig durchaus weiter steigend.“ 

Wie wird die Paulistraße in Zukunft aussehen? 
SIEBEN: regional hat beim Baudezernenten der Stadt Alfeld (Leine) Mario Stellmacher nachgefragt.
„Die Entwicklung geht voraussichtlich langfristig hin zu einer Wohnstraße. Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen werden das Umfeld ergänzen. Einzelne Gebäude stehen in ihrer Gesamtheit unter Denkmalschutz, bei anderen besteht ein Ensemble-Schutz der Fassaden, sodass Eigentümer vielfältige bauliche Möglichkeiten haben und attraktiven Wohnraum in der Stadt schaffen können bzw. bereits geschaffen haben. Für Betreiber von Spielotheken gilt Bestandsschutz, weitere Genehmigungen sind nicht vorgesehen.“ 

Tipps vom Stadtführer Michael Rüdiger
„Bauern wohnten damals nicht nur auf dem Land, sondern auch in der Stadt. Das Haus Nr. 4 ist ein typisches Ackerbürgerhaus mit einer Durchfahrt für Ackerwagen zum Hof oder zur Tenne. Bei der ehemaligen Buchdruckerei Stegen (Haus Nr. 11) lohnt ein Blick nach oben. Das historistische Gebäude ist mit einem schönen Fries mit Ranken und Blättern versehen. Die Eule als antikes Symbol der Weisheit, das oft von Buchdruckern verwendet wurde, ist mehrfach zu sehen. Das reich verzierte Portal weist Elemente griechischer Tempel auf. 
Nach dem Abriss der St. Pauli-Kapelle 1902 entstand dort an der Ecke Paulistraße/Leinstraße an gleicher Stelle ein repräsentatives vierstöckiges Gebäude mit Türmchen im Stil des Historismus.“    

     

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