Foto: alt-alfeld

Folge 3: Stadt im Wandel – Winde

1.12.2020 (sr) Winde ist einer der ältesten Straßennamen. Im Mittelalter „Wunne“, „Wünne“, auch „der Slyngh“ (=Quellfassung) genannt, ist dieser Ort wohl bereits seit der Latènezeit (eine Epoche der jüngeren vorrömischen Eisenzeit) besiedelt. Möglicherweise war hier auch die ursprüngliche Gerichtsstatt des Aringos, die nach der Stadtrechteverleihung an Alfeld in das Gebiet von Aldendorpe (Altes Dorf) verlegt wurde. Handwerker haben auch heute noch ihre Geschäfte in der Innenstadt: Ein Tischlermeister, eine Schneiderin, eine Friseurmeisterin und eine Fleischerei sind hier zu finden. Außerdem bieten ein Bestattungsinstitut, ein Schlüsseldienst, ein Kiosk und Sozialpädagogen ihre Dienste an. 

Im Herzen der Stadt
„Wir sind im Herzen der Stadt mit Herz für Sie da“, sagen Janina Bauch, Inhaberin des Salons Laue und ihre Mitarbeiterin Wiebke Ebeling. Der Traditionssalon Laue Winde 9 ist für Kunden gut zu erreichen. Parkplätze sind nicht weit entfernt, zum Aussteigen ist ein kurzes Halten vor dem Geschäft möglich. Seit November 2009 steht das Team seinen Kundinnen und Kunden beratend zur Seite, entwickelt Lösungen rund um das Thema Haare und setzt diese dann gekonnt in die Tat um. Neben dem klassischen Haarschnitt bieten die Friseurmeisterin und ihre Mitarbeiterin Tönungen, Ansatzfarbe, Färbungen, Strähnen, Hilfe bei der Auswahl einer passenden Perücke und für besondere Anlässe festliche Hochsteckfrisuren an. „Ein weiteres Angebot ist die Haarverlängerung und damit verbunden voluminöseres Haar. Durch modernste Technik sind die verwendeten Echthaare nach der Behandlung nicht mehr von den eigenen Haaren zu unterscheiden“, erklärt Janina Bauch. „Auf Wunsch besuchen wir unsere Kundinnen und Kunden auch zu Hause. Service mit Herz eben.“

Fachliches Können und guter Service: Janina Bauch (links) und Wiebke Ebeling entwickeln mit viel Engagement Lösungen, um die Wunschfrisur zu realisieren. Foto: Susanne Röthig

Einzigartiges aus Holz
Samstagsvormittag Winde 5: Kaum jemand geht achtlos vorbei, es wird geschaut und angefasst. Die Werkstücke des Tischlermeisters Stefan Schneider ziehen die Blicke auf sich. „Holz ist durch seine Vielfalt für mich der faszinierendste Werkstoff. Jedes Stück ist einzigartig in Farbe und Maserung und fast immer gibt es eine Geschichte dazu“, sagt Stefan Schneider. Größtenteils finden heimische Hölzer Verwendung, aber auch Olivenholz aus dem Italienurlaub verarbeitet der Fachmann seit 1998 in seiner Werkstatt am Weidenknick zu Messergriffen, Deko-Objekten und individuellen Möbelstücken. Jedes Produkt ein Unikat. 

Als zusätzlichen Service bietet Stefan Schneider das Schärfen von Messern und Scheren an. „Es macht einfach keinen Spaß mit stumpfen Materialien zu arbeiten.  Viele meiner Kunden kommen zu mir, um ihre bei mir gekauften, aber auch andere Messer, Schneider- und Friseurscheren zu schärfen. Der Laden in der Innenstadt bedeutet für mich, dass ich meine Werkstücke präsentieren kann. Sowohl vom Seminarparkplatz als auch vom Südwall bin ich hier gut zu erreichen und für viele ist die Winde samstags der Weg zum Marktplatz, sodass ich mit dem Standort durchaus zufrieden bin“, sagt der 59-Jährige. 

Werkstücke, die begeistern: Tischlermeister Stefan Schneider verbindet Funktionalität mit Schönheit. Die Tischplatte aus Eschenholz ist mit Epoxidharz ausgegossen und verbindet so die massive Optik des Holzes mit Transparenz. Foto: Susanne Röthig

Stoffe und Nähzubehör
Im Fachgeschäft Stoff-Idee von Damenschneiderin Elena Fauser finden Hobby-Schneiderinnen und -Schneider eine Vielzahl von Stoffen und Kurzwaren wie Knöpfe und Reißverschlüsse, um Kleidungsstücke, praktische Gebrauchsgegenstände oder Dekorationen selbst zu fertigen. „Die Corona-Krise hat viele wieder an die Nähmaschine gebracht“, sagt Elena Fauser. Sie betreibt ihr Geschäft bereits seit 2003 und ist im Juni 2019 vom vorherigen Standort Sedanstraße an die Winde gewechselt. „Die Nachfrage ist enorm gestiegen. Besonders beliebt ist das Nähen von Kindersachen. Außerdem werden Taschen und Mützen gefertigt. Viele kommen mit Ideen und ich gebe Anregungen zur Umsetzung. Nähanfängern zeige ich gern den Umgang mit der Nähmaschine, damit das Schneidern zu Hause ein Erfolg wird. Schnittmuster und Tipps zur Stoffauswahl gibt es bei mir natürlich auch. Während eines Nähkurses (selbstverständlich unter Beachtung der Corona-Vorschriften) ist es möglich, unter fachlicher Anleitung kreative Stoff-Ideen umzusetzen.“  Zusätzlich fertigt Elena Fauser Kleidung nach Maß oder nimmt Änderungen vor. Eine Reinigungsannahme komplettiert das Angebot.

Nähen ist ihre Leidenschaft: Elena Fauser (links) und Mitarbeiterin Katalin Sandor helfen Ihren Kundinnen und Kunden, Stoff-Ideen erfolgreich in die Tat umzusetzen. Foto: Susanne Röthig

Positive Energien optimal nutzen
Norbert Samtlebe und Gabriele Kornitzky-Samtlebe führen im Haus Nr. 11 ein Betreuungsbüro. Die beiden vom Amtsgericht bestellten rechtlichen Betreuer vertreten von hier aus die Interessen ihrer jeweils rund 30 Betreuten im Rahmen der festgelegten Aufgabenkreise. 

Außerdem bietet Norbert Samtlebe seit langer Zeit Feng Shui- und Lebensberatung an. Übersetzt bedeutet Feng Shui Wind und Wasser. Die Lehre zielt darauf ab, eine Harmonisierung der Menschen mit ihrer Umgebung durch die bewusste Gestaltung der Wohn- und Lebensräume zu erreichen, ohne dass umgebaut oder wesentlich Möbel gerückt werden müssen. „Wasseradern oder andere vorhandene Strahlungen können beispielsweise eine negative Wirkung auf den Menschen haben“, meint Norbert Samtlebe. „Die negativen wie positiven Energien, die in einem Haus vorhanden sind, werden bestimmt, um optimal genutzt zu werden und das Beste aus dem Wohnumfeld für die Bewohner mit ihrem individuellen Temperament herauszuholen. Von meiner Beratung profitieren nicht nur Privatkunden. Auch in einer Firma gibt es beispielsweise Plätze, die sich besser als andere zum Arbeiten, für eine Vertragsunterzeichnung oder Verhandlungen anbieten “, erklärt der Feng Shui-Berater. Als Lebensberater hat er ein eigenes Konzept entwickelt. „Ich gebe im Gespräch Anregungen zur erfolgreichen und kurzfristigen Konfliktbewältigung“, so der Sozialarbeiter. 

Seit 2002 wohnt und arbeitet das Ehepaar in Alfeld. „Wir sind damals aus dem östlichen Landkreis an die Leine gezogen und wohnen gern hier. Alfeld ist eine schöne Stadt und wir lieben die Umgebung“, sagt Norbert Samtlebe. Seit 2018 arbeiten die Eheleute zusammen an der Winde, nachdem Norbert Samtlebe 15 Jahre sein Büro in der Leinstraße hatte und dieses dort aufgeben musste, da die Immobilie verkauft wurde. „Wir fühlen uns hier an der Winde sehr wohl, haben einen tollen Vermieter, können unser Büro von unserem Wohnort aus zu Fuß erreichen und pflegen eine nette Nachbarschaft. Wir genießen die kurzen Wege zu den Ämtern, die gute Vernetzung. Unsere Ansprechpartner sind kurzfristig erreichbar. Unseres Erachtens ist es erstrebenswert, dass die Menschen in der Nähe ihres Wohnortes optimal arbeiten können“, fassen Samtlebes die Vorzüge zusammen.

Gabriele Kornitzky-Samtlebe und Norbert Samtlebe schätzen die kurzen Wege in Alfeld und das gute Wohn- und Arbeitsumfeld. Foto: Susanne Röthig

Winde 15: Eine ehemalige Schmiede wird zum Wohnhaus
Im Hof ist auf einem Balken die Jahreszahl 1761 Und der Name Kreicken Bohm zu lesen. Ein Zeugnis, wie lange das Gebäude im Familienbesitz ist. Eine weitere Inschrift aus dem Jahr 1724 zeigt ein Hufeisen und Schmiedewerkzeug und weist so auf die Nutzung als Schmiede hin. „Mein Großvater und mein Vater haben vor dem zweiten Weltkrieg und auch noch danach Käfige für die Tierhandlung Ruhe hier gefertigt“, erzählt Lore Adam geb. Kreibohm. „Später als Maschinenbauingenieur hat mein Vater dann an der Hildesheimer Straße neu gebaut und unter anderem Kurbelwellen gefertigt. John Deere und Mannesmann gehörten zu seinen Kunden. Die Schmiedewerkstatt an der Winde wurde abgerissen und der Garten angelegt. 

Nach der zwischenzeitlichen Nutzung als Goldschmiede und Blumenladen mit dem traumhaften Hinterhofgarten, dient das Haus nun komplett dem Wohnzweck.

Seit 2010 bewohnen Lore und Helmut Adam, die zuvor in Duingen eine Apotheke führten und dort auch lebten, das Haus.

„Wir haben uns für eine Rückkehr in mein Elternhaus entschieden, da ich von hier aus Geschäfte, Ärzte, Apotheke, Friseur, Bäcker und Schlachter zu Fuß erreichen kann“, sagt Lore Adam. Die 75-Jährige und ihr ein Jahr älterer Ehemann genießen das Leben in der Stadt. Ein barrierefreier Zugang in Form eines Fahrstuhls erleichtert den Transport der Einkäufe, ein Freisitz mit Blick auf Alfelds Dächer und den schönen Garten vermittelt Urlaubsfeeling in einem ruhigen Umfeld. Eine Werbung für das Wohnen in der Stadt.

Links: 1909 – Familie Kreibohm vor ihrem Haus Foto: alt-alfeld | rechts: Lore und Helmut Adam haben sich mit einem Fahrstuhl den barrierefreien Zugang ins erste Stockwerk ermöglicht. Foto: Susanne Röthig

Freisitz und Garten vermitteln Urlaubsfeeling mitten in der Stadt. Fotos: Helmut Adam

Geschäftliche Perspektive in Hameln, private in Alfeld
Der Alfelder Rainer Herrmann hat zusammen mit Bernd Schwetje 1989 an der Winde 15 das Geschäft „Die Goldschmiede“ eröffnet. „Wir haben die „Kreibohm´sche Schmiede“ nach eigenen Vorstellungen und Planung, mit Hilfe von Freunden und Familien zusammen um- und ausgebaut. Unser erster Azubi war Ralf Richter (Anmerkung der Redaktion: Ralf Richter übt sein Handwerk heute in Brunkensen aus). Insgesamt hatten wir fünf Auszubildende. Nachdem feststand, dass das Geschäft nicht dauerhaft für zwei Goldschmiedemeister Arbeit bietet, bin ich im Juli 1996 als Mitgesellschafter ausgeschieden. In Hameln habe ich für mich und meine Mitarbeiter ein sehr gutes Umfeld gefunden. In der Schmuckgalerie PERSPEKTIVE fertige ich neben selbst gestalteten Werken Auftragsarbeiten für meine Kundschaft. Nachgefragt werden unter anderem Umarbeitungen geerbter Schmuckstücke oder die Verwendung vorhandener Materialien, beispielsweise von Trauringen, für eine Neugestaltung. Außerdem gehören die Bewertung von Schmuckstücken, der Goldankauf und besondere Schmuckstücke namhafter Hersteller zu meinen Angeboten“, erläutert Rainer Herrmann. 

Privat ist er seiner Heimatstadt Alfeld treu geblieben. „Alfeld bietet für uns eine tolle Wohnqualität, enge familäre und freundschaftliche Bindungen“, sagt er. Dass ihnen die Leinestadt am Herzen liegt, haben Rainer Herrmann und seine Frau Monika mit der Gründung der privaten Kindertagesstätte „Die Kleinen Stadtmäuse e. V.“ gezeigt. „Gemeinsam mit Ina Titze und Familie und der Familie Sengstock haben wir nach längerer Planung und Standortsuche im Mai 1995 begonnen, das öffentliche WC in den oberen Anlagen in Eigeninitiative und -leistung nach unseren Vorstellungen und Wünschen zu einem Kindergarten um- und auszubauen. Im September 1995 haben wir diesen dann eröffnet.“  

     

Bei der Perspektive Schmuckgalerie erhältlich: WALTER GROPIUS-Uhren – Eine Hommage an den Gründer des Bauhauses  

Jugendwerkstatt sucht neue Räume
„Wir bieten jungen Menschen, für die der Lebenslauf bisher nicht so optimal verlaufen ist, eine Chance, auf dem ersten Ausbildungs- und Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, erklärt die Betriebsleiterin der Jugendwerkstatt Alfeld Petra Hölzel.“ Insgesamt sieben MitarbeiterInnen, die die 16 TeilnehmerInnen und die bis zu fünf minderjährigen SchülerInnen sowohl praktisch als auch sozialpädagogisch begleiten, sind bei der Labora gGmbH als Träger der Jugendwerkstatt beschäftigt. Die gemeinnützige Gesellschaft wird durch das Jobcenter, die Stadt Alfeld und die EU gefördert. „Die jungen Erwachsenen werden uns vom Jobcenter zugewiesen. Sie haben hier die Möglichkeit, innerhalb von sechs Monaten Grundlagenqualifizierungen in den Bereichen Handwerk, Handel, Mediengestaltung und Lagerlogistik zu erwerben. Wir organisieren eine Rückkehr in die Schule, vermitteln Praktika oder auch Ausbildungs- oder Arbeitsplätze. „Durch die Übernahme von kleineren Aufträgen, die die Jugendwerkstatt beispielsweise im Bereich GaLa-Bau oder Aufarbeitung von Sitzbänken für die Stadt übernimmt, lernen die Jugendlichen was es heißt, eine Aufgabe nach Vorgabe zu erledigen. Aber auch eigene Werkstücke wie beispielsweise Vogelhäuschen für den Verkauf werden unter Anleitung angefertigt. Eine kleine Auswahl ist bei den Stadtpiloten (Kurze Straße) zu sehen“, sagt Petra Hölzel. „Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Einrichtungen wie Jugendpflege, Stadtpiloten, Stadt Alfeld ist hier optimal. Unsere TeilnehmerInnen helfen beispielsweise, wenn die Stadt für Bedürftige einen Möbeltransport abwickeln möchten“, erklärt die Betriebsleiterin. „Wir schaffen es, etwa 25 Prozent unserer TeilnehmerInnen in den Arbeitsmarkt einzugliedern und so eine dauerhafte Abhängigkeit von Sozialleistungen zu vermeiden“, sagt Petra Hölzel. 

„Der Standort Winde 14 ist für die Jugendlichen gut erreichbar und auch räumlich gut geeignet. Leider können wir hier nicht bleiben und suchen nach einer Immobilie, die vom Bahnhof aus fußläufig zu erreichen ist, ausreichend Platz für Werkstatt und Büroräume und vielleicht sogar ein Schaufenster zur Präsentation unserer Arbeiten bietet.“  

Die Jugendwerkstatt ist unter der Telefonnummer 05181/ 85 13 62 zu erreichen.  

Die Info-Tafel, die ihren Standort normalerweise an Stiefels Teich hat, erhält in der Jugendwerkstatt neue Schindeln, wird geschliffen und gestrichen. Petra Hölzel freut sich, dass die Teilnehmer unter Anleitung von Tischlermeister Frank Bischoff (Zweiter von links) und Malermeister Peter Kaune (Mitte) die notwendigen Arbeiten ausführen. Foto: Susanne Röthig    

Informationen vom Koordinator der Stadtführer Ulrich Brinkmann:
Winde 3, die „Freiheit“ genannt, gehörte zum Freihof derer von Steinberg. Bis 1750 konnten in dem Haus flüchtige Missetäter, sogar Mörder, sich für kurze Zeit unbehelligt aufhalten. Damit sollte vor der erwarteten ordentlichen Gerichtsverhandlung eine Lynchjustiz verhindert werden. Die Tore zu dem Haus mussten Tag und Nacht offenstehen. Dieses seltene Privileg des Asylrechts wurde dem Adelshof durch den Bischof von Hildesheim verliehen. Im Jahr 1851 wurde das Haus durch Bischof Eduard gekauft und eine Kapelle, Schule und Pfarrwohnung für die kleine katholische Gemeinde eingerichtet. 
1852 lebten 2840 Einwohner in Alfeld; von diesen waren 2726 lutherische Christen, 88 katholische Christen, 15 reformierte Christen und 11 Juden. 
Winde 14: 1851 kommen die städtischen Feuerwehr-Spritzen in das Gerätehaus auf der Winde. Über 100 Jahre war dieser beengte Standort das Feuerwehrhaus der Alfelder Feuerwehr. Das Grundstück diente im 17. Jahrhundert als „Rüststätte“, wo auch für die Nicolai-Kirche Glocken gegossen wurden.
Erste Feuerschutzbestimmungen werden bereits in den Statuten der Stadt im 15. Jahrhundert erwähnt. Nach einem der schweren Stadtbrände im Mittelalter konnte man vom Marktplatz aus durch alle vier Stadttore sehen. 
Schließlich war die Pflichtfeuerwehr den großen Bränden nicht mehr gewachsen, sodass nach einem Großfeuer in der Paulistraße, wobei auch drei Todesopfer zu beklagen waren, die Freiwillige Feuerwehr 1873 gegründet wurde. 1956 wurde die Fahrzeughalle erweitert. 1984 zog die Feuerwehr von der Winde in das neue Feuerwehrhaus an der Rektor-Falke-Straße um. Heute befindet sich in den Räumen auf der Winde die Jugendwerkstatt.
Mitte des 16. Jahrhunderts entstand die große Herberge der Handwerksgesellen, die noch heute, obwohl kein Gasthaus mehr, Bürgerschänke genannt wird. An ihr finden sich Schnitzereien in Form von Werkzeug für Lederarbeiten. Es ist nicht sicher, ob es auch das Gildehaus der Schuhmacher war, oder ob dieses 1846 am Markt abbrannte. Außerdem ist an der nordwestlichen Gebäudeecke eine Schnitzerei angebracht, die das „Blatt des Schweigens“ darstellt. Da in einem Haus der Handwerker auch vertrauliche Geschäftsgespräche geführt wurden, hat man hiermit auf die einzuhaltende Diskretion hingewiesen.

Erbaut anno 1540 steht an der einstigen Herberge für Handwerksgesellen. Übersetzt heißt der Spruch an der Seite zur Winde: „Aller Welt Pracht und Mut strebt nach irdischem Gut. Wenn sie das erwarben, fallen sie nieder und starben“. Foto: Susanne Röthig
Das Blatt des Schweigens mahnt zur Diskretion. Foto:  Ulrich Brinkmann

Welche Pläne gibt es mit den Objekten Winde 3 (ehemals Glas-Herwig) und Winde 14 (Jugendwerkstatt) und was treibt Sie an, in Alfeld umfangreich zu investieren? SIEBEN: regional hat beim Eigentümer der Immobilien Lars Rogge, der auch gleichzeitig Vorsitzender der Standortgemeinschaft Innenstadt Alfeld e. V. ist, nachgefragt.
„Für das Objekt Winde 3 gibt es derzeit noch zwei Optionen. Denkbar für die denkmalgeschützte Immobilie sind die Sanierung und der Umbau zum Wohnhaus. Hierfür gibt es bereits erste Vorentwürfe, wie zeitgemäßes Wohnen mit moderner Raumaufteilung und Bädern kombiniert mit einer Öffnung des Objektes zur Südseite aussehen kann. Aber ich habe auch Interessenten, die größere Büroflächen nachfragen. Hier wird sich in der nächsten Zeit entscheiden, welche Variante umgesetzt wird. Geplant ist ein Baustart voraussichtlich in 2021. Um Menschen für das Wohnen in der Innenstadt zu begeistern, bedarf es auch Parkraum. Das Grundstück des ehemaligen Feuerwehrgerätehauses Winde 14, das jetzt von der Jugendwerkstatt genutzt wird, kann diesen eventuell bieten. Hier ist bereits eine Toreinfahrt vorhanden, die es beispielsweise ermöglichen würde, eine teilweise Nutzung für Anliegerparken zu schaffen und die Situation für die Nachbarn gegenüber dem derzeitigen Zustand deutlich zu verbessern. Dazu werden wir dann rechtzeitig mit allen Beteiligten in einen offenen Dialog treten. Die Stadt befindet sich, wie viele Städte in Deutschland, in einem Strukturwandel und ich möchte diesen positiv begleiten. Sicher ist hier in Alfeld nicht alles gut, aber infrastrukturell stimmt es und das Umfeld bietet somit gute Möglichkeiten. Ich bin es gewohnt, in Chancen zu denken. Wir können uns zwar wünschen, dass alles wieder so wird wie früher, aber das wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht passieren. Wir müssen daher die Zukunft gestalten. Manchmal spielt bei mir sicher auch der Faktor Heimat eine Rolle, aber wenn ich nicht an den Erfolg und die Wirtschaftlichkeit meiner Investments glauben würde, würde ich nicht investieren.“ 

Ein Blick nach oben lohnt sich. Eicheln und Eichenlaub zieren dieses Haus. Foto: Susanne Röthig

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