Quelle: „Allfeldt - Die Stadt Alfeld im Mittelalter“ von Gerhard Kraus

Folge 6 – Leinstraße Teil 1: Vom ehemaligen Leintor bis zur Paulistraße

29.04.2021 (sr)

Früher Hauptstraße der alten Kaufmannssiedlung, die mit vielen Grundstücken an die Leine (Mühlengraben) grenzte, ist die Leinstraße heute das Herz der Alfelder Innenstadt und Einkaufsmeile. Die Hauptgeschäftsstraße wurde ab dem Mittelalter mit Großbürgerhäusern bebaut, die oft auf gewaltigen Gewölbeanlagen stehen. Einladend ist der Stadtzugang über die Burgfreiheit (zumindest außerhalb der Corona-Pandemie) durch Außensitzplätze (Biel und Lounge) und sehenswerte Fachwerkhäuser und Gebäude im Stil des Historismus. Bäckereierzeugnisse erfreuen sich großer Beliebtheit. Ein Fleischereibetrieb erfreut KundInnen mit einem reichhaltigen Sortiment, Obst ist als Alternative gegenüber erhältlich. Ein Sanitätshaus hat renovierte Geschäftsräume bezogen, Schreibwaren, Bekleidung und Schmuck komplettieren das Angebot.

Informationen vom Stadtführer Michael Rüdiger
Leinstraße: Tor zur Stadt 

Alfeld „an der Leine“ – nicht irgendwo gelegen, sondern an einer Stelle, an der sich schon im Mittelalter die Leine in einem seichten Bereich, einer „Furt“, durchqueren ließ.

Die älteste Darstellung Alfelds mit dem viergeteilten Stadtwappen vor dem Leintor stammt aus der Sassenchronik von 1492. Foto: Susanne Röthig
Im Stil des Historismus ist das Gebäude Leinstraße 24 erbaut. Aufwendige Verzierungen schmücken die Fassade. Foto: Susanne Röthig
Leinstraße 28/ Ecke Paulistraße: Die Ansicht aus den 1920er Jahren zeigt das Anfang des 20. Jahrhunderts ebenfalls im Gründerstil erbaute Eckhaus. Der ausbuchtende Erker ist 
eines der Merkmale dieses Baustils. Foto: alt-alfeld.de

Direkt dahinter gelangte man an die Stadtmauer, die, typisch für eine mittelalterliche Stadt, durch ein bewachtes und befestigtes Tor zugänglich gemacht wurde: das Leintor. Dahinter verlief die heutige Leinstraße nach Norden als direkte Verbindung zum Perktor (am Ende der Sedanstraße gelegen). Händler, die mit ihren Wagen das Leintor passierten, mussten an einem neben dem Tor gelegenen Torhaus Zölle und Wegegelder bezahlen, die unter anderem der Unterhaltung der Straßen dienten. 

Heute ist von der ursprünglichen mittelalterlichen Bebauung nichts mehr zu sehen. Viele Brände im Laufe der Jahrhunderte haben die einstigen Fachwerkhäuser zerstört. Erhalten geblieben und in der Fassadenansicht zumindest im oberen Teil nur wenig verändert ist Haus Glüsen aus dem Jahr 1692. 

Nach der Aufgabe der St. Pauli-Kapelle 1902 entstand an dieser Stelle das schöne und schmuckreiche Gebäude Leinstraße 28 im Stil des Historismus (auch als Gründerzeitstil bekannt). Der Späthistorismus (ab 1890) zeichnet sich unter anderem durch ausbuchtende Erker und Kuppeln aus. Dieser ist hier und auch Leinstraße 24 (MAG’s) gut zu erkennen. Florale Dekore weisen auf Elemente des Jugendstils hin.   

Petra Paulmann und Patrick Natwornik sind im MAG’s die Ansprechpartner, wenn es um junge Mode geht. Foto: Susanne Röthig

MAG’s: Mode für Junge und Junggebliebene

„Der Standort des MAG’s ist super“, lobt Kai König die Wahl, die Klaus Magnus vor fast 30 Jahren getroffen hat. „Mit den Parkmöglichkeiten direkt am Haus ist beste Erreichbarkeit gewährleistet und vor allem ist mit Petra Paulmann und Patrick Natwornik ein Team verantwortlich, dessen Fachkompetenz im Bereich der jungen Mode die Kundinnen und Kunden seit vielen Jahren schätzen“, so Kai König weiter. 

Petra Paulmann ist die Frau der ersten Stunde im MAG’s. Sie hat es maßgeblich mit aufgebaut und wählt aus, welche Label im Laden präsentiert werden. „Nach einigen Jahren habe ich ja gedacht, dass ich ins Haupthaus wechseln sollte“, erinnert sich Petra Paulmann. „Aber Herr Magnus hat das immer abgelehnt und nun bin ich immer noch hier“, lacht die 57-Jährige, die ihr Handwerk in Delligsen im Modehaus Kühne gelernt hat und dann nach Alfeld zu Magnus wechselte. Patrick Natwornik hat seine Ausbildung bei Magnus absolviert und gehört seit 13 Jahren zur Belegschaft. Gemeinsam sind sie die Gesichter im Geschäft für junge Mode an der Leinstraße 24. Und jung fühlen sich hier auch ältere Kunden und Kundinnen: Das Duzen gehört zum guten Ton im modernen Ambiente.  

only, Tally Weijl, Eight2Nine, Gina Tricot, Jack&Jones, Tom Tailor, Denim Brands, only&sons  

„Modetrends wechseln immer schneller”, weiß Petra. „Da müssen die Regale schon mit aktuellen Labeln bestückt sein. Besonders die jungen Frauen sind natürlich durch das Medienangebot, Influencerinnen und verschiedene Blogs bestens informiert und haben genaue Vorstellungen von ihren neuen Kleidungsstücken.“  Für viele Stammkunden und Stammkundinnen ist das MAG’s eine gute Adresse. „Wir haben auch Kundinnen und Kunden aus Hildesheim und Hannover“, berichtet Patrick, der wahrnimmt, dass auch junge Männer immer mehr Wert auf das, was sie tragen legen.“ 

Werbung aus dem Jahr 1934. Leinstraße 24 (heute MAG‘s) Foto: Susanne Röthig

Bequeme Hosen, weite Oberteile, mädchenhafte Kleider und ganz viel Pastell

„Hochgeschnittene Hosen teils mit Bundfalte stehen hoch im Kurs. Dazu passt ein kurzes aber weites Oberteil“, berichtet Petra. Mädchenhafte Kleider mit Blumenmuster, mit Volants, Smok-Effekten oder großen Spitzenkragen sind auf der modischen Skala ebenfalls ganz weit oben zu finden. Pastellfarben wie Pistazie oder Flieder, aber auch Erdtöne dominieren die Optik. 

„In Zeiten von Home-Schooling und Home-Office erfreuen sich bequeme Hosen im Joggingstyle großer Beliebtheit“, sagt Petra. „Die Silhouette hat sich komplett verändert. Röhren-Jeans werden so gut wie nicht mehr getragen. Besonders im Sommer ist bequeme Mode praktisch und es ist auch möglich, mit den verschiedenen Stilen zu spielen, um so seinen eigenen Style zu entwickeln, der passt und in dem man sich wohlfühlt“, ergänzt Patrick.  

MAG’s, Leinstraße 24, 31061 Alfeld, Tel. 0 51 81 – 90 00 66

Auch in Corona-Zeiten haben Nadine Bessel und Alexandra Markefka alle Hände voll zu tun. Die Biel’s-Filiale in der Leinstraße ist bei KundInnen sehr beliebt. Foto: Susanne Röthig

Mit Laib und Seele Familienbäckerei seit 1912

Bäckermeister August Warnecke legte in Delligsen den Grundstock für das heute 22 Filialen zählende Biel‘s Backhaus. In fünfter Generation führen Bäckermeister und Betriebswirt Karl-René Biel und Betriebswirt Hendrik Biel seit 2019 den Betrieb mit insgesamt rund 230 MitarbeiterInnen. Auch nach mehr als 100 Jahren setzt die Familie Biel weiterhin auf handwerkliches Können. „Jedes Brot wird mit den Händen unserer BäckerInnen bearbeitet und rundgewirkt“, sagt Hendrik Biel. „Selbstverständlich setzen wir auch moderne Technik ein, um unsere MitarbeiterInnen ergonomisch zu entlasten.“ Zu Ehren der ersten Generationen ist seit vielen Jahren das beliebte „Opa August-Brot“ in den Regalen zu finden.

Erstes Café in Alfeld

Bis Mitte der 1980er Jahre wurden an der Adresse Leinstraße 25 Schuhe verkauft, zuerst bei Eisen dann folgte Schuh Rausch. „1987 haben wir dort unser erstes Café eröffnet“, erläutert Hendrik Biel. Die neue Fußgängerzone bietet Platz für einen Außenbereich. Belegte Brötchen und Mittagstisch erweitern das Backwarenangebot. Später kommt ein umfangreiches Coffee-to-go-Sortiment dazu. 

Die Filiale an der Leinstraße ist eine von drei Alfelder Biel-Geschäften. Vor Corona waren die Plätze im Café und davor äußerst beliebt und dienten vielen KundInnen regelmäßig als Treffpunkt mit Freunden. Stets am Puls der Zeit und mit freundlichen MitarbeiterInnen punktet Biel’s mit frischen Produkten und neuen Kreationen. Parkplätze fast am Haus machen den schnellen Einkauf möglich.

Ausbildungsbetrieb

„Für uns ist es wichtig, dass wir unser Handwerk an die nächste Generation weitergeben. Daher bilden wir junge Menschen aus. Zum 1.8.2021 gibt es noch freie Ausbildungsplätze“, wirbt Hendrik Biel um den Nachwuchs.  Angehende BäckereifachverkäuferInnen, BäckerInnen, KonditorInnen, Fachleute für Systemgastronomie und Kaufleute für Büromanagement können sich unter info@biels-backhaus.de oder unter Bäckerei Karl Biel GmbH & Co. KG, Dr.-Jasper-Straße 35 A, 31073 Delligsen bewerben. 

Weitere Informationen zum Unternehmen gibt es unter www.biels-backhaus.de.

Biel’s Alfeld, Leinstraße 25, 31061 Alfeld,  Tel. 0 51 81 – 52 15

KundInnen werden bei Glüsen fachgerecht von Annette Glüsen (von links), Bernd Glüsen, Anette Freudenberg und Doreen Deppe beraten. Auf Facebook und Instagram informiert das Team über aktuelle Angebote. Foto: Susanne Röthig

Glüsen Augenoptik und Schmuck: Familientradition seit mehr als 100 Jahren

Bereits im Jahr 1919 eröffnete Wilhelm Glüsen ein Uhrmachergeschäft. Damals allerdings im Alten Land in Horneburg. 1935 kaufte er das 1692 erbaute Haus Leinstraße 21 der Familie Mundt in Alfeld. Uhrmacher Mundt betrieb sein Handwerk hier seit 1885 und war Vorfahre des inzwischen verstorbenen Uhrmachermeisters Heino Mundt. 

Nach Wilhelm Glüsen führte Rolf Glüsen mit seiner Frau Hannelore das Fachgeschäft weiter. „Die Augenoptik spielt erst seit den 1950er Jahren eine immer größere Rolle und kam als weiteres Standbein dazu“, erinnert sich Augenoptiker und Uhrmacher Bernd Glüsen, der seit 1991 das Familienunternehmen mit seiner Frau Annette Glüsen, die als Schmuckfachverkäuferin auch für die Zeitmesstechnik zuständig ist, führt. Augenoptikermeisterin Anette Freudenstein und Augenoptikerin Doreen Deppe unterstützen sie dabei. 

2006 gestaltete das Ehepaar Glüsen die Verkaufsfläche zeitgemäß um und vergrößerte diese. Die Schaufensterauslagen machen Lust und Laune auf ein neues Schmuckstück oder eine neue Uhr.

Das Geschäftshaus Leinstraße 21 im Jahr 1935 mit dem Schriftzug Glüsen. Im Adressbuch der Stadt von 1934 war neben Witwe Amanda Mundt, Arbeiter Heinrich Bertram, Hausmädchen Else Bertram auch der Uhrmacher Ernst Rossbach hier gemeldet. Foto: alt-alfeld.de   
Leinstraße 21 im Jahr 2021: Nahezu unverändert ist die Fassade des 1692 erbauten Fachwerkhauses im oberen Teil. Foto: Susanne Röthig

Qualitätsgläser von Zeiss und Edelstahlschmuck

Hochwertige Gläser der Firmen Zeiss und Optovision (gehört zum Rodenstock-Konzern) und eine große Auswahl an Brillengestellen und Sonnenbrillen der Marken Tom Tailor und Betty Barclay lassen kaum Wünsche offen. Viel Zeit nehmen sich Bernd Glüsen und seine Mitarbeiterinnen bei der Wahl der passenden Brillenform. 

Ernstes Design heißt die Edelstahlschmucklinie, die durch gute Hautverträglichkeit für Allergiker geeignet ist und in dem Fachgeschäft verkauft wird. Klare Formen bei Uhren, Ketten und (Trau)Ringen zeichnen die Schmuckstücke aus. Mit S.Oliver setzt die Firma Glüsen auf trendige und jugendliche Formen, die auch als Geschenk gut ankommen. 

Von zwei Seiten ohne Barriere zu erreichen 

Nicht nur von der Leinstraße weist der Zugang zum Geschäft keine Stufen auf, auch für Menschen, die keine weiten Strecken zu Fuß zurücklegen können, ist der Laden optimal zu erreichen. Auf der rückwärtigen Seite zum Perkwall können KundInnen fast direkt vor die Eingangstür fahren und die dortigen Parkplätze nutzen.

Glüsen, Leinstraße 21, 31061 Alfeld, Tel.: 0 51 81 – 14 43

Leinstraße 23: Noch sind die Sanierungs- und Renovierungsarbeiten nicht ganz abgeschlossen. Aber die Frontseite erstrahlt bereits im neuen Glanz. Foto: Susanne Röthig

Leinstraße 23: Ein Beispiel, das hoffentlich Schule macht

Die Fassade zur Leinstraße ist bereits vielversprechend gestaltet und gibt dem Eingang zur Stadt ein mehr als ansehnliches Gesicht: Im ehemaligen Porzellangeschäft Körner-Pape hat ein Sanitätshaus sein neues Domizil bezogen. 

Lars Rogge hat das von seinem Unternehmen erworbene Haus saniert, und neben den bereits genutzten neuen Geschäftsräumen zusätzlich vier moderne Wohnungen, davon zwei mit Freisitz, geschaffen, die nach Abschluss aller Arbeiten Ende 2021 vermietet werden sollen. „Besonderen Wert lege ich immer darauf, dass, soweit es möglich ist, Handwerker aus der Region die Arbeiten ausführen“, erklärt der Hauseigentümer. Mit dem Objekt Leinstraße 23 hat Lars Rogge gezeigt, dass durch Sanierung Leerstände wieder mit Leben gefüllt werden können. Die ehemalige Bäckerei Thiesemann (Leinstraße 29) ist das nächste Projekt, das nach den bereits erfolgten Abrissarbeiten für den neuen Mieter zum Bezug am 1. September umgebaut wird. „Ich versuche immer, mit dem Ausbau so gut wie möglich auf die Mietinteressenten einzugehen und so optimale Geschäfts- und Wohnräume zu schaffen“, erklärt Lars Rogge, der auch Vorsitzender der Standortgemeinschaft Innenstadt Alfeld ist. 

Ein weiteres Objekt wird die Leinstraße 27 (ehemals Palmeras) sein. Hier sei, so der Investor, wahrscheinlich wieder Gastronomie geplant, aufgrund der Corona-Pandemie habe er dieses Projekt aber verschoben. Sein Engagement für und in seiner Heimatstadt sieht er langfristig. „Ich bin Lokalpatriot und erwarte mir nicht kurzfristig eine hohe Rendite, sondern plane für die nächsten Jahrzehnte und die Zukunftssicherung der Innenstadt.“ 

Lars Rogge (links) und sein technischer Leiter Peter Jäger freuen sich über die gelungene Sanierung. Foto: Susanne Röthig

Innenstadt hat Potenzial

„Dass das Oberverwaltungsgericht mit seinem Beschluss eine neuere Baugenehmigung für das Kaiserhof-Projekt in Frage gestellt hat, ist natürlich eine schlechte Nachricht für Alfeld. Umso mehr freut mich die Aussage des Investors, dass er auf Basis einer vorherigen und rechtssicheren Genehmigung bauen wird“, so Lars Rogge. „In anderen Städten wie zum Beispiel Holzminden gibt es ähnliche Nachbarschaften zwischen Industriebetrieben und der Kernstadt. Dort hat sich das Unternehmen aber deutlich verlässlicher kompromissbereit gezeigt und unterstützt zum Wohl der Stadt und ihrer Bürger neue Bauvorhaben intensiv. Schade, dass das in Alfeld nicht möglich ist. Aber ich bin optimistisch, dass sich dennoch vieles bewegen lässt und sich manches ändern wird.   Es gab ja auch schon Zeiten, in denen sich die Geschäftsführung von Alfelds größtem Arbeitgeber ihrer besonderen Verantwortung stärker bewusst war.“ Kreativität und Ideen sind also gefragt, um die Innenstadt attraktiver  und grüner zu gestalten. 

Wie wird die Leinstraße in Zukunft aussehen? 

SIEBEN: regional hat beim Baudezernenten der Stadt Alfeld (Leine) Mario Stellmacher nachgefragt.

„Die Leinstraße wird auch in Zukunft eine große Bedeutung für den Handel in Alfeld haben. Auch hier sind zwar die Leerstände sichtbar, aber als Mittelzentrum wird die Stadt immer einen gewissen Bedarf an Angeboten vorhalten können. Im Hinblick auf den Beschluss des OVG Lüneburg im Zusammenhang mit der EU-Richtlinie „Seveso III“ bin ich zwar sehr enttäuscht, da viele Fragen unbeantwortet blieben und auf die in unserer Beschwerdebegründung angeführten Aspekte gar nicht eingegangen wurde. Für uns als Stadt ist der Beschluss ernüchtend, denn wenn wir die gesetzlichen Wege zur erneuten gerichtlichen Bewertung der Situation einhalten, dauert das ein bis drei Jahre. Jetzt muss abgewartet werden, ob der Investor seine 2016 erteilte Baugenehmigung auch tatsächlich umsetzen kann und umsetzen möchte. Aber in der Innenstadt wird es trotzdem weitergehen. Vieles ist noch möglich. Mit Herrn Rogge, dessen Objekt Leinstraße 23 fast fertig saniert und renoviert ist, haben wir in Alfeld jemanden, der in seine Heimatstadt investiert. Darüber bin ich sehr froh. Es zeigt, wie Gebäude entwickelt und zum interessanten Objekt für Gewerbetreibende und Wohnungsmieter werden können. Hier würden wir uns weitere Akteure wünschen. Besonders im Bereich des hochwertigen Wohnens sehe ich da noch Luft nach oben. Aber auch in Zeiten, in denen das Home-Office eine große Rolle spielt, kann es für manche interessant sein, von „Coworking-Spaces“ zu profitieren, also sich eine Bürofläche nach Bedarf anzumieten, um eine bessere Trennung von Arbeit und Freizeit zu erreichen ohne jedoch weite Strecken zum Arbeitsplatz fahren zu müssen. Hier könnten Büroflächen in der Innenstadt entstehen.

Der Stadtbesucher erwartet von seinem Aufenthalt nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern möchte diese auch mit einem besonderen Erlebnis verbinden. Das kann kultureller, sportlicher oder vergnüglicher Art sein. Spielmöglichkeiten, mehr Grün und hochwertige Gastronomie sorgen für Wohlbefinden. Für eine Umsetzung verschiedener Möglichkeiten setzen wir darauf, in ein Städtebauförderungsprogramm aufgenommen zu werden. Die notwendigen Vorbereitungen dazu laufen bereits.“

Herr Stellmacher, wie geht die Stadt mit sogenannten Schrottimmobilien um, also mit Objekten, die unbewohnbar sind und/oder um die sich der Eigentümer nicht kümmert?

„Wenn von Gebäuden eine Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht, wird die Bauaufsicht tätig. Wir gehen dabei auch Hinweisen aus der Bevölkerung nach. Bei uns bekannten Objekten prüfen wir von Zeit zu Zeit, ob sich der Zustand des Gebäudes verändert und fordern den Eigentümer gegebenenfalls auf, Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. Sollte das nicht passieren greift die Stadt in schwerwiegenden Fällen ein. Das war zum Beispiel seinerzeit in der Perkstraße der Fall. Dort drohten Gebäudeteile einzustürzen. Da der Eigentümer nichts unternommen hat, haben wir auf Stadtkosten den Abriss, soweit es nötig war, durchgeführt. Das zieht aber nicht eine sofortige Enteignung des Grundstücks nach sich. Der Schutz des Eigentums hat in Deutschland einen hohen Stellenwert. Die angeordneten Sicherungsmaßnahmen müssen immer im Verhältnis zur Gefahr, die vom Objekt ausgeht, stehen. Mittlerweile gehört das Grundstück Perkstraße aber der Stadt und wir bieten es zum Kauf an.“

1987: Vor dem Bau der Fußgängerzone bestimmten Fahrzeuge das Bild auf der Leinstraße. Foto: alt-alfeld.de
Die weitere Nutzung der Leinstraße als Fußgängerzone mit eingeschränkten Möglichkeiten für den motorisierten Verkehr und für Fahrräder wird bleiben.  Foto: Susanne Röthig

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