Andrea Prell, niedersächsische Landtagsabgeordnete der SPD

SIEBEN Fragen

Bei der Landtagswahl 2022 hat Andrea Prell (Wahlkreis Alfeld) direkt den Einzug in das Landesparlament geschafft. Politisch engagiert hat sie sich seit 2006: 

Ortsrat Coppengrave, Ortsbürgermeisterin, Kreistag. Als examinierte Pflegefachkraft hatte die 48-Jährige bei ihrer Wahl 2022 bereits mehr als 25 Jahre Berufserfahrung in der Pflege und ist nun Mitglied des Ausschusses für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. 

Die SIEBEN:regional hat Andrea Prell im Landtag besucht. 

Sie sind jetzt seit rund einem Jahr Mitglied des niedersächsischen Landtags. Welche positiven Erfahrungen haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Andrea Prell: Ich konnte mir in dieser Zeit ein beachtliches Netzwerk aufbauen, sodass ich auf gute Kontakte zu allen für meine Arbeit relevanten Einrichtungen zurückgreifen kann. Das ist besonders wichtig, wenn es um spezielles Wissen insbesondere im Gesundheitsbereich geht. Auch über Parteigrenzen hinaus sind vertrauensvolle Verbindungen entstanden, die mir die Bewertung verschiedener Sichtweisen erleichtern. Besonders dankbar bin ich meinen drei Mitarbeitenden in Alfeld und Hannover, die mich mit insgesamt 60 Wochenstunden unterstützen.  

Was sind Ihnen besondere Anliegen Ihrer politischen Arbeit und konnten Sie in diesem Punkt bereits etwas erreichen?

Aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen weiß ich natürlich, dass wir in der Pflege besser werden müssen. Und zwar für Pflegende und Gepflegte. Besonders nachts kommen Pflegekräfte an ihre Grenzen, wenn mehrere Personen Hilfe benötigen und diese nur von einer Person geleistet werden soll. Da ist es wichtig, schnell beispielsweise Pflegeassistenten und -assistentinnen zu qualifizieren, eine bessere Bezahlung zu ermöglichen und ausländische Berufsabschlüsse schneller anzuerkennen. Krankenhausplanung, Landarztquote, Medizin-Studienplätze sind mir neben vielen weiteren wichtige Punkte. Um etwas zu erreichen, dürfen der Bürokratieabbau und die Digitalisierung nicht aus den Augen verloren werden und die Demokratie muss schneller werden. Bis neue Gesetze in Kraft treten, dauert es einfach viel zu lange. 

Bezahlbare Energie und unkontrollierte Zuwanderung sind Themen, die die Menschen beschäftigen. Was kann die Landespolitik hier bewirken?

Wenig. Das muss vom Bund kommen. Es gibt aber selbstverständlich Vorschläge aus Niedersachsen. Zum Beispiel sei die faire Verteilung der Netzentgelte genannt. Zurzeit sei es so, dass die norddeutschen Länder und damit die Einwohnenden, gerade weil sie viele Windräder bauen, höhere Kosten tragen, obwohl sie dafür sorgen sollen, dass ganz Deutschland mit erneuerbarer Energie versorgt wird. In der Flüchtlingsfrage ist die europäische Zusammenarbeit nicht gut, die Schleuserkriminalität hoch. Bei steigenden Flüchtlingszahlen muss es eine gerechtere Aufteilung geben und wir müssen Lösungen schaffen, um schneller Abschiebeverfahren zu humanitären Bedingungen durchführen zu könne, für Menschen, die nicht bei uns bleiben können. Die Landesaufnahmebehörde benötigt größere Kapazitäten, um den Kommunen mehr Vorlauf für die Organisation der Unterbringung zu gewähren. 

Laut Umfragen erhält die AfD immer größeren Zuspruch. Nehmen Sie diese Wählergruppe ernst?

Ja, auf jeden Fall. In Gesprächen versuche ich immer, die Zusammenhänge zu erklären, Argumente zu entkräften und Informationen zusammenzutragen. Ich finde, wir müssen auf unser Vokabular aufpassen und dürfen nicht verallgemeinern. Um sachliche Fakten zu erläutern, bedarf es allerdings länger als populistische Aussagen zu verbreiten. Und wir benötigen die Zuwanderung, um dem Arbeits- und Fachkräftemangel entgegenzuwirken, der sich immer stärker bemerkbar macht. 

Was sagen Sie zu den Wahlausgängen in Hessen und Bayern und den Krieg in Israel? 

Die Menschen sind unzufrieden mit der gegenwärtigen Situation. Corona, Preissteigerungen, Energiekrise, , der Krieg in der Ukraine, die steigenden Flüchtlingszahlen und nun der Krieg in Israel, der uns auch in Deutschland mit antisemitischen Parolen und gewalttätigen Kundgebungen in unerträglichem Ausmaß erreicht hat, hinterlassen Spuren. Wir müssen aufpassen, dass die radikalen, gewaltbereiten Ränder nicht immer größer werden und dafür gemeinsam nach Lösungen suchen.

Welchen Ort in Hannover (den Landtag mal ausgenommen) mögen Sie besonders gern?

Ich bin gern in den Herrenhäuser Gärten und hier beim Landtag um die Ecke im Hotel an der Marktkirche gibt es einen gemütlichen Pub namens „Grüpchen“, in der bin ich manchmal abends, wenn ich hier in Hannover übernachte. Ob Fußball-Fans oder ein gut bekannter CDU-Abgeordneter: Hier finde ich immer interessante Gesprächspartner. Das gefällt mir richtig gut.

Ihre Arbeitstage sind mit Sitzungen, Terminen, Vorbereitungen gut getaktet. Wie nutzen Sie Ihre freie Zeit?

Die Zeit gehört meinem Mann, meinen erwachsenen Kindern und meinem Hund. Ich gehe gern wandern und koche vegetarisch. Die Gartenarbeit kommt leider etwas zu kurz, daher habe ich dieses Jahr einen Teil unseres Gartens zur Blumenwiese umfunktioniert und mich an der Blütenpracht erfreut. (sr)

Den Landtag besuchen:

Offener Besucherabend am 7. Dezember 2023

Der Landtag bietet eine Vielzahl von Besuchsmöglichkeiten, um demokratische Prozesse verständlich und erlebbar zu machen und um Mitwirkungsmöglichkeiten aufzuzeigen. 

Keine große Planung erfordert dabei der offene Besucherabend, zu dem keine Anmeldung erforderlich ist. 

Der nächste Termin ist am 7. Dezember 2023 

Treffpunkt ist um 18 Uhr die Portikushalle (Haupteingang), Hannah-Arendt-Platz 1, 30159 Hannover. 

Zu weiteren Angeboten informiert der Landtag unter 

www.landtag-niedersachsen.de. 

„Die Göttinger Sieben“ Symbol für Mut und Freiheit

Neben dem Landtagsgebäude in Hannover steht ein Denkmal für Zivilcourage und Demokratie (Herrschaft des Volkes). 1837 hatten die sieben Göttinger Hochschulprofessoren Wilhelm Eduard Albrecht, Friedrich Christoph Dahlmann, Heinrich Ewald, Georg Gottfried Gervinus, Wilhelm Weber, Jacob und Wilhelm Grimm ihr Missfallen gegenüber den von König Ernst August getätigten ersten Amtshandlungen, zu denen die Aussetzung des Staatsgrundgesetzes gehörte, geäußert.

 Sie wurden ihrer Ämter enthoben, einige des
Landes verwiesen und sind heute Vorbilder für den persönlichen Mut, Rechtsüberzeugungen, um der Freiheit willen, zu verteidigen. 

Der Niedersächsische Landtag erinnert darum
mit dem Denkmal nicht nur an ein bedeutendes Ereignis der Verfassungsgeschichte, sondern bekennt sich damit zugleich zu den darin zum
Ausdruck kommenden Bürgertugenden als
tragende Grundlagen des Gemeinwesens.  

Quelle und weitere Infos:

 www.landtag-niedersachsen.de. 

Der italienische Bildhauer und Medailleur Floriano Bodini erhielt nach einem internationalen Wettbewerb den Auftrag, seinen Entwurf umzusetzen. Die Enthüllung der Skulpturengruppe „Die Göttinger Sieben“ aus Bronze fand 1998 statt. 

Als das untenstehende  Bild entstand, war des Königs Sicht verdeckt: Einfach nur ein Scherz oder symbolisch für unsere Zeit? 

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