Zwei + drei = Rudel

Marina Peter

Fünf unter einem Dach
Treuen SIEBEN: Leser*innen sind sie längst bekannt: Kuyo und seine Brüder Lasse und Bosse. Viele fanden, nach einem Jahr sei es einmal wieder Zeit für ein kurzes update. Also gut:

Einer kommt schimpfend die Treppe herauf. 
Das kann eigentlich nur zweierlei bedeuten:

Entweder beklagt sich der zarte Kater Lasse, der mal wieder draußen getrödelt hat, äußerst stimmgewaltig, dass er es nun vor Hunger aber wirklich keine Sekunde mehr aushalten kann und gefälligst der Napf aller schnellstens gefüllt zu sein hat. Oder es hat angefangen zu regnen. Dieses Naturereignis fasst er nämlich als gegen seine Person gerichteten Angriff auf und ist selbstverständlich keinesfalls bereit, so eine Frechheit stillschweigend hinzunehmen.

Ganz anders da seine Brüder. Golden Retriever wie Kuyo würden niemals den richtigen Zeitpunkt einer Mahlzeit verpassen, am liebsten gleich den Eimer bewachen, in dem das Futter aufbewahrt wird. Zeit für irgendwelche Protestlaute bliebe gar nicht, so schnell muss Hund sich auf den Napf stürzen, um das Futter förmlich einzuatmen. Retriever treiben sich unter dem Vorwand, durch schnelles Auflecken Stürze der Menschen vermeiden zu helfen, falls beim Kochen etwas Nahrhaftes herunterfallen sollte, allzu gern auch in Küchen herum.

Und Regen wie überhaupt Nässe jeder Art: bitte, sehr gerne, und sehr gerne noch ein bisschen mehr, ganz egal ob warm oder kalt oder gar eisig. Es sei denn, das Nasse kommt aus einer Gießkanne oder einem Schlauch – da hört die Freundschaft auf!

“Manchmal sind alle drei ganz plötzlich ungerufen gleichzeitig da, streifen um die Beine, hypnotisieren
von der Türschwelle, miauen und schwanzwedeln.”

Kater Bosse wiederum macht sich manchmal nur dadurch bemerkbar, dass er sein vom Herumstreifen in taufeuchtem hohem Gras oder durch einen heftigen Schauer triefnass gewordenes Fell an meinem oder dem Hosenbein meines Mannes zu trocknen versucht. Völlig lautlos hat er sich mal wieder ins Haus geschlichen. Das aber ganz bestimmt ebenso pünktlich zur Mahlzeit wie Kuyo. Mit dem teilt er übrigens auch die Annahme, durch hypnotische Blicke würden sich auf wundersame Weise Türen öffnen oder Futternäpfe füllen lassen. Manchmal sind alle drei ganz plötzlich ungerufen gleichzeitig da, streifen um die Beine, hypnotisieren von der Türschwelle, miauen und schwanzwedeln. Jeder möchte der erste sein, der unsere ungeteilte Aufmerksamkeit erhält, der erste beim Futter, der erste beim Streicheln, der erste beim Spielen. Letzteres geht im Haus unproblematisch: Der große Kuyo hat sich früh in sein Schicksal gefügt und weiß, dass die Kater am besten allein toben. Aber draußen, da wenigstens springt er doch mal eben schnell hinter ihnen her – sie nehmen es sportlich, sprinten auf den nächsten Baum, und dann auch wieder ganz schnell direkt vor seine Nase. Steht ein längerer Spaziergang mit Kuyo an, müssen wir uns regelrecht davon schleichen – allzu gern möchten uns seine Brüder stets und ständig begleiten.

Wir fünf sind mittlerweile, nach knapp zwei Jahren, ein eingeschworenes Team, das sich nicht so schnell erschüttern lässt – auch nicht durch Krankheiten, die natürlich einmal vorbeikommen. Dass nicht alles bekömmlich ist, was gut riecht oder schmeckt, will noch besser gelernt sein. 

Die Tiere können das, was in der Welt vorgeht und oft so unendlich beschwert, vollständig ausblenden. Wir beiden Menschen können und wollen das natürlich nicht, wollen nicht die Augen verschließen und wollen uns weiter engagieren. Die Kraft dazu bekommen wir ganz entscheidend auch von unseren drei Mitbewohnern. 

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