Foto: alt-alfeld.de

Alfelder Modegeschäfte: Klaus Magnus erinnert sich

29.04.2021 (sr)

Notbohm, Pickerott, Müller, Jacob, Boscheinen, Schrader, Kolbach, Nelsen, Börsing, Gutex: Die Aufzählung ist sicher nicht vollständig, enthält aber familiengeführte Fachgeschäft, die in längst vergangenen Jahrzehnten Textilien in Alfeld verkauften. Von den alteingesessenen Geschäften ist nur Magnus übriggeblieben. Wenige neue Anbieter haben ihr Glück versucht, Modeketten eröffneten Filialen und schlossen diese auch teilweise wieder. 

„Der Textilhandel ist ein schwieriger Markt geworden. Die Preise sind im Verhältnis zu früher eingebrochen, die Gewinnspannen kleiner geworden“, weiß Klaus Magnus, der viele Jahre im Verband der Textileinzelhändler genauen Einblick in die Entwicklung hatte und der das von seinen Eltern 1937 eröffnete Geschäft bis zur Übernahme durch die Familie Kolle-König im Jahr 2016 leitete. 

„Früher hatten alle Geschäfte bescheidene Umsätze, da die Häuser aber in fast allen Fällen Familieneigentum waren, fielen zumindest keine Mietzahlungen an. Die meisten Textilien wurden bis etwa in die 1960er Jahre in Deutschland gefertigt, stabile Stoffe garantierten eine lange Haltbarkeit, aufgrund des Verhältnisses der Preise zum Einkommen wurden Textilien länger getragen und gute Sachen auch für besondere Anlässe geschont. In der Marktstraße gab es beispielsweise eine Schneiderei, die Kragen von Hemden wendeten, wenn diese von einer Seite verschlissen waren. Einige Händler hatten hochwertige und teure Teile aus Frankreich oder Italien im Angebot. 

Bereits in den 1950er Jahren standen Marken wie Schießer oder Seidensticker für Qualität. Ich kann mich noch erinnern, dass Sakkos im mehrlagigen Futter mit Rosshaar gepolstert waren, um einen guten Sitz zu gewährleisten. Das hatte natürlich zur Folge, dass der Tragekomfort doch eher als steif zu bezeichnen war. 

Die Verarbeitung der Textilien war aber in jedem Fall besser als heute. Und die Menschen legten zu besonderen Anlässen mehr Wert darauf, korrekt und gut gekleidet zu sein. Bedarfs- und Anlasskäufe wurden genauestens geplant und erst viel später durch das „Shoppen“ abgelöst. 

Modegeschäfte mit großen und aufwendig gestalteten Schaufensterfronten prägten das Bild der Leinstraße in den 1960er Jahren. Foto:alt-alfeld.de

Zum Angebot des Modehauses Magnus gehörte in den 1960er bis 1970er Jahren auch eine große Auswahl an Kitteln für die Hausfrau. Es war auch durchaus üblich, in diesem Kleidungsstück in der Stadt, beispielsweise auf dem Markt, einkaufen zu gehen. Als wir nach der Wende unsere Filiale in Quedlinburg eröffneten, war dort die Nachfrage nach Kitteln noch groß. Das legte sich aber auch ganz schnell. 

Wer nicht am Puls der Zeit blieb, litt unter dem zurückgehendend Kundeninteresse. Einige Produkte wie beispielsweise Hüte waren aus der Mode gekommen und Pelze durch den Tierschutz nicht mehr tragbar, sodass sich keine Nachfolger für Hutmacher und Kürschner fanden“, so der Textilkaufmann. 

Klaus Magnus weiß, wie wichtig es ist, wettbewerbsfähig zu bleiben. „Da kommt es neben guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch auf die Einrichtung und spezielle Präsentationsformen an, um für Kundinnen und Kunden interessant zu bleiben“, so der 80-jährige Fachmann. 

„In den 1980er Jahren war es dann der „Clou“ in den Räumen des heutigen Wäschemarktes, der sich der jungen Mode im Haus Magnus widmete. Als wir dann das Haupthaus umgebaut haben, zog die junge Mode als MAG’s an die Leinstraße 24 (ehemals Modehaus Notbohm) und ist bis heute Anlaufstelle für mode- und trendbewusste junge Menschen.“

Langlebige Holzkleiderbügel mit Namensaufdruck des jeweiligen Geschäftes dienten zur einheitlichen Präsentation der hochwertigen Kleidung und natürlich zu Werbezwecken. Foto: Susanne Röthig
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