Foto: Susanne Röthig

Städtisches Leitbild braucht Erneuerung / Bürgerinnen und Bürger sind gefragt

01.06.2021 (sr)

„Zukunftsräume Niedersachen“ und „Heimat 2.0“ sollen Fördergelder nach Alfeld bringen

Leitbilder können Zielvorstellungen und Handlungsprinzipien formulieren. Sie geben Orientierung, können Koordinierungsfunktionen übernehmen oder auch motivierend sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das städtebauliche Leitbild dem Wiederaufbau, in den 1970er und 1980er wurde ihm weniger Beachtung geschenkt. Seit den 1990er Jahre beschäftigen sich Städte wieder vermehrt mit ihrem Leitbild und binden ihre Bürgerinnen und Bürger ein, um aufgrund des Strukturwandels Entwicklungsperspektiven zu ermitteln. „Leitbilder zeigen aktuelle Sichtweisen und spiegeln den Wissensstand ihrer Entstehung wider“, sagt Mario Stellmacher, Erster Stadtrat und Baudezernent der Stadt Alfeld (Leine). 

„Das aktuelle Leitbild der Stadt Alfeld stammt aus dem Jahr 2006 und sollte daher nach 15 Jahren, in denen der Strukturwandel besonders in der Innenstadt nicht zu übersehen ist, überdacht, überarbeitet und erneuert werden“, so Mario Stellmacher weiter. Interessierte können das aktuell gültige Leitbild unter www.stadt-alfeld.de nachlesen.

Von Erhalt und Schaffung von Arbeitsplätzen, Stärkung der Innenstadt, Einbeziehung und Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern, Bildung, Kultur und Erhaltung von städtebaulichen Eigenarten, Förderung einer kinderfreundlichen Stadt und des ökologischen Planens und Bauens ist hier die Rede. Punkte, die auch 15 Jahre später Gültigkeit haben. Allerdings war 2006 noch nicht erkennbar, wie die Digitalisierung und der Klimawandel fortschreiten würden und sich beispielsweise das Einkaufsverhalten verändert hat. Daher ist es richtig, Bürgerinnen und Bürger einzubinden, in die Frage, wie sie sich die Stadt in Zukunft vorstellen. 

Dieses Vorhaben soll komplex online und durch Präsenzveranstaltung umgesetzt werden. Fördergelder aus den Programmen „Zukunftsräume Niedersachen“ und „Heimat 2.0“ sollen dabei helfen. 

Mit Hilfe von Tanja Dornieden (www.koko-kommunikation.de), die bereits andere Kommunen (beispielsweise Uslar) in Südniedersachsen bei der Erstellung von Projektskizzen und Bewerbungen unterstützt hat, hat die Stadt Alfeld Fördergelder beantragt und Ideen gesammelt, wie ein aussagefähiges Leitbild entstehen kann. Als Netzwerkpartner konnte die Stadt bisher Sappi, den Verein für Heimatkunde, alt-alfeld, Data-Network, das Forum Alfeld aktiv, die weiterführenden Schulen, die Standortgemeinschaft Innenstadt, den Stadtjugendring, die Stadtjugendpflege, den Industrieverein und den Regionsverein Leinebergland gewinnen. 

„Besonders auf die Meinung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommt es uns an“, sagt Tanja Dornieden. „Mit speziell entwickelten Programmen sollen sie sich digital ihre Stadt der Zukunft bauen können“, erklärt die Diplom Geographin. Das Projekt zur Erstellung eines Leitbildes wird voraussichtlich zwei bis drei Jahre dauern und soll Anfang 2022 starten. 

Wie umfangreich die Ermittlung, Erstellung und Umsetzung werden wird, hängt auch von den Fördermitteln ab. Ob die Stadt bei einem oder bei beiden Förderprogrammen einen Zuschlag erhält, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Ideen, um die Stadt auch für kommende Generationen attraktiv zu machen gibt es bereits. Von Themenspaziergängen über die Erfassung, ob Bürgerinnen und Bürger den Wunsch nach weiteren Baugebieten haben oder für ein Wohnen in bereits bestehenden Immobilien erwärmt werden können, der Entwicklung von Arbeitsplätzen, die nahe am Wohnort liegen (Co-working-spaces) bis hin zu Maßnahmen zur aktiven Sicherheit beispielsweise bei einem Störfall eine Info per App zu erhalten, reicht das Spektrum. 

Der Klimaschutz wird im neuen Leitbild sicher eine weit größere Rolle spielen als noch vor 15 Jahren. „In Bestandsimmobilien ist bereits Energie investiert worden.  Ein Neubau verspricht sicher einen geringeren Energieverbrauch, ob er allerdings die aufgewendeten Energien, die durch Produktion beispielsweise von Dämmmaterial aus Kunststoffen entstehen, wettmacht, sollte zumindest überdacht werden“, wirbt Mario Stellmacher für die Bestandsimmobilien. „Sollten sich die Stadtbewohner und bewohnerinnen mehrheitlich für Neubaugebiete aussprechen, werden wir das selbstverständlich berücksichtigen. Die Ratsmitglieder werden das dann letztendlich entscheiden“, stellt der Baudezernent klar, warnt aber gleichzeitig vor einer Zersiedelung und Leerstand, der oft mit Verfall einhergeht. 

Sollte es zu einer umfangreichen Befragung mit Präsenzveranstaltungen und digitalen Möglichkeiten kommen, bleibt die Hoffnung, dass sich möglichst viele Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen, um mitzugestalten, wie wir alle in den nächsten Jahrzehnten Alfeld erleben wollen. 

Licht und Schatten: Besucher der Oase, die im August 2010 für kurze Zeit auf Initiative der damaligen Lenkungsgruppe auf dem Marktplatz entstanden war,  werden sich gern zurückerinnern. Das Allwetter-Bad bietet (außerhalb der Corona-Pandemie) ganzjährig einen hohen Freizeitwert und ermöglicht es, dass Kinder aus der Region schwimmen lernen können. Aber teilweise sieht es eher düster aus. Wie BürgerInnen zukünftig in Alfeld leben wollen, soll mithilfe vieler Netzwerkpartner unter Einbindung der BewohnerInnen in einem neuen städtischen Leitbild erarbeitet werden. Ob es auch den Willen gibt, wieder mehr Licht nach Alfeld zu bringen, wird sich zeigen. Fotos: Susanne Röthig

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