Was moderne Altersmedizin ausmacht

Johanniter-Krankenhaus Gronau

Interview mit der Chefärztin Frau Karpenko

Älter zu werden bedeutet heute nicht mehr, sich mit den damit verbundenen Einschränkungen abzufinden, sondern vielmehr, von einer passgenauen, fachübergreifenden Versorgung zu profitieren. Denn moderne Altersmedizin erkennt die individuellen Bedürfnisse jedes Menschen und vereint medizinische Kompetenz mit Empathie, Geduld und multiprofessioneller Teamarbeit. Dies im Blick, setzt das Johanniter-Krankenhaus Gronau auf die geriatrische Komplexbehandlung. Wie diese Form der Geriatrie konkret funktioniert und welche Vorteile sich dadurch ergeben, erklärt Lada Karpenko, Chefärztin der Klinik für Geriatrie.

Was macht aus Ihrer Sicht gute Altersmedizin aus? Wie begegnen Sie in diesem Zusammenhang der Vielzahl an Erkrankungen, mit denen ältere Menschen in der Regel zu Ihnen kommen? 

Lada Karpenko: Altersmedizin bedeutet, das Ganze im Blick zu haben. Unsere Patientinnen und Patienten leiden meist nicht nur an einer Erkrankung, sondern an mehreren gleichzeitig – häufig in Kombination mit Einschränkungen in Bewegung, Gedächtnis oder Stimmung. Diese Komplexität erfordert eine sorgfältige Analyse: Was ist das führende klinische Problem? Welche Begleiterkrankungen spielen mit hinein? Wo drohen Wechselwirkungen zwischen Medikamenten – Stichwort Polymedikation? Unser Ziel ist es dann, einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln, der medizinische, funktionelle, psychologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

Wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit im Team und wie sieht das konkret bei Ihnen aus? 

Lada Karpenko: Die Zusammenarbeit ist entscheidend, denn Altersmedizin ist immer interdisziplinär. Neben dem Ärztlichen Dienst besteht unser Team aus Expertinnen und Experten der Bereiche aktivierend-therapeutische Pflege, Physio- und Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Case Management und Seelsorge. Alle bringen ihre Expertise ein – verbunden mit dem Ziel, Patientinnen und Patienten bestmöglich zu unterstützen. So schaffen wir gemeinsam die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung.

Die Johanniter-Krankenhaus Gronau spricht von geriatrischer Versorgung „aus einer Hand”. Was bedeutet das für Ihre Patientinnen und Patienten? 

Lada Karpenko: Sie werden bei uns umfassend und ohne Umwege versorgt. Wenn beispielsweise eine Patientin nach einem hüftgelenksnahen Bruch zu uns kommt und zusätzlich unter Diabetes, Inkontinenz oder kognitiven Einschränkungen leidet, können wir direkt Fachkolleginnen und -kollegen hinzuziehen. Alle Fachbereiche arbeiten eng zusammen – das spart nicht nur Zeit und Kraft, indem wir Synergien nutzen, sondern verbessert auch die Versorgung.

Was zeichnet die Geriatrie im Johanniter-Krankenhaus Gronau aus?

Lada Karpenko: Grundlage jeder Therapie ist zunächst eine umfassende Einschätzung der medizinischen, funktionellen und sozialen Situation. Gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten, deren Angehörigen und unserem interdisziplinären Team erarbeiten wir daraus ein realistisches Therapieziel. So entsteht ein maßgeschneiderter Behandlungsplan, der das Konzept verfolgt, vorhandene Ressourcen zu stärken und verloren gegangenen Fähigkeiten möglichst zurückzugewinnen.

Die enge Vernetzung der verschiedenen Fachbereiche und dementsprechend die Bündelung der Expertisen sind das Besondere. Unsere Zertifizierung zum Alterstraumazentrum hat die Zusammenarbeit zwischen den Fachdisziplinen dann noch genauer strukturiert. Eine weitere Optimierung folgte durch die Zertifizierung zum Demenzsensiblen Krankenhaus: alle Mitarbeitenden haben die dreitägige Schulungsphase absolviert, die Kenntnisse sind jetzt in jeder Profession vorhanden. Dabei handelt es sich um einen eindeutigen Pluspunkt in der täglichen Zusammenarbeit. Die Schulungen haben das Verständnis für die Sorgen und Probleme unserer älteren Patienten und Patientinnen erweitert. In der Altersmedizin ist das ein großer Vorteil, schließlich wird in der Geriatrie der Mensch mit seinen Ängsten und Wünschen, seinen Zielen und Werten gesehen und behandelt. Zudem profitieren wir durch die langjährige Erfahrung und die hohe Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Behandlung älterer und gebrechlicher Menschen. 

Bei welchen Diagnosen empfehlen Sie eine Aufnahme zu einer geriatrischen Komplexbehandlung? Viele Mitmenschen wissen nicht, bei welchen Diagnosen eine Einweisung sinnvoll ist. 

Lada Karpenko: Wir behandeln vorrangig Sturzneigungen, Schlaganfälle (Hirninfarkte) und Störungen des Ganges bzw. der Beweglichkeit. Auch nicht beherrschbare Rückenschmerzen mit Mobilitätseinschränkungen sind häufig eine Ursache für einen Aufenthalt in der Geriatrie. Zudem behandeln wir viele Knochenbrüche des Oberschenkels, der Lendenwirbelsäule und des Beckens. Dazu gehören dann auch die Patienten und Patientinnen des Alterstraumazentrums, was eine sehr enge Zusammenarbeit von Geriatrie und Unfallchirurgie beinhaltet. Die Parkinson-Krankheit, Erkrankungen des Nervensystems oder Verwirrtheitszustände können genauso behandelt werden wie eine Herzschwäche. Die Diagnose Demenz schließt die Einweisung zu einer geriatrischen Komplexbehandlung übrigens nicht grundsätzlich aus, dabei hängt es vom Schweregrad der Erkrankung ab. 

Wie wird sich die Altersmedizin aus Ihrer Sicht weiterentwickeln und was braucht es dafür?  

Lada Karpenko: Unser Fachbereich hat sich in den vergangenen Jahren zu einem höchst spannenden, anspruchsvollen und fachübergreifendem Arbeitsgebiet entwickelt. Zukünftig wird er weiter wachsen. Die demografische Entwicklung ist eindeutig. Aus diesem Grund muss altersmedizinisches Wissen künftig in allen medizinischen Disziplinen verfügbar sein, um auch perspektivisch eine adäquate Patientenversorgung sicherzustellen. 

Was wünschen Sie sich als Medizinerin für die vor uns liegenden Herausforderungen einer stetig alternden Gesellschaft? 

Lada Karpenko: Ich wünsche mir ausreichende Zeit, um die „richtige” Behandlung in komplexen Krankheitskonstellationen zu finden. Aber vor allem auch Menschen, die sich dieser Aufgabe mit Engagement widmen. Denn gute Altersmedizin lebt von Erfahrung, Empathie und Teamgeist. Sie ist keine Nischendisziplin, sondern ein klarer gesellschaftlicher Auftrag.

Johanniter-Krankenhaus Gronau GmbH
Johanniterstraße 1-3
31028 Gronau
www.johanniter-gronau.de

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