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Vertrauen wagen

Liebe Leserinnen und Leser,

grade, als wir mit dem Schreiben des Editorials dieser Doppelausgabe zu Weihnachten und zum neuen Jahr beginnen wollten, flatterte die Grußbotschaft des Alfelder Bürgermeisters ins Haus. Natürlich veröffentlichen wir sie in alter Tradition und selbstverständlich auch gern. Nun steht sie aus redaktionellen Gründen aber ausgerechnet direkt neben dieser Rubrik, und, Sie werden es schnell beim Lesen merken, das Grußwort enthält im Prinzip schon alles, was mensch sich zum Fest und Jahreswechsel so überlegt. Eine kleine Rückschau auf das vergangene Jahr, auch auf kulturelle Highlights, ein Ausblick auf Künftiges, ein bisschen Besinnliches. Durchaus gelungen, wie wir finden. Aber was bleibt nun für uns zu sagen, ohne zu wiederholen, ohne allzu sehr zu langweilen?

Es gibt ein Lied von Fritz Baltruweit, das mit den Worten beginnt: „Vertrauen wagen dürfen wir getrost“, und, grade zu Weihnachten, diesem wichtigen ersten Fest im neuen Kirchenjahr möge es erlaubt sein, auch noch weiter daraus zu zitieren “ … denn du, Gott, bist mit uns, dass wir leben.“

Auf wen oder was vertrauen Sie, liebe Leserinnen und Leser? Können Sie überhaupt noch vertrauen, oder haben Sie das Vertrauen verloren, in die Politik, in die Gesellschaft, in die Demokratie, in eine bessere Zukunft – vielleicht sogar in sich selbst? 

Vor vielen Jahren beobachtete ein Redaktionsmitglied nach der Landung in einem kriegsgeschüttelten Land, dass ein kleiner Junge im

 hektischen Aufbruch den Anschluss an Geschwister, Eltern und Tanten verlor, und nun ganz allein oben an der steilen Treppe stand, unschlüssig, wie am sichersten hinunterzukommen sei. Da streckte er ganz einfach, ohne sich umzusehen, seine Hand aus, im Vertrauen darauf, dass sie jemand ergreifen würde. Und ganz genau so geschah es. Er wurde sicher hinunter geleitet, ließ die Hand wieder los und trippelte, so schnell er nur konnte, zu seinen wartenden Verwandten, ohne sich noch einmal umzusehen.

So ein Urvertrauen wünschen sich sicher viele von uns zurück. Aber wagen wir es auch? Vielleicht wäre das etwas, das wir uns für das neue Jahr vornehmen könnten. Viel mehr zu vertrauen, anderen Menschen und ihren vielfältigen Fähigkeiten, aber auch den eigenen Kräften – und somit auch selbst daran mitzuarbeiten, dass Vertrauen nicht enttäuscht wird. An Gelegenheiten wird es auch im Jahr 2026 nicht mangeln – im privaten wie im öffentlichen Raum, in unserer Region mit ihren vielen Möglichkeiten und wunderbaren Menschen, wie auch weit darüber hinaus.

Eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit, ein vertrauens-
volles, fröhliches, friedliches neues Jahr und viel Spaß beim Lesen
dieser Doppelausgabe wünscht

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