Fotos: Susanne Röthig

Unser Wasser – Teil II

04.04.2022, (sr)

Wasser ist eine begrenzte und zunehmend knappe Ressource. Für uns ist es selbstverständlich, dass Wasser in trinkbarer Qualität aus dem Hahn kommt. Daher widmet sich die SIEBEN: diesem wichtigen Thema.

In der Märzausgabe der SIEBEN: ging es um den Weltwassertag, die Wasserwerk Alfeld GmbH und die Frage wie das früher mit der Wasserversorgung in Alfeld war. Diese Ausgabe beschäftigt sich mit der Trinkwasserenthärtung im Gebiet der Stadt Alfeld. Weitere Fragen werden in den nächsten Ausgaben beantwortet. Wo kommt das Wasser genau her? Wie wird es aufbereitet und kontrolliert? Welche Möglichkeiten der (Trink)-Wassereinsparung gibt es? Wie funktioniert die Verteilung durch das Rohrleitungsnetz? Was genau geschieht mit dem Schmutzwasser?

13 Grad dH statt 30 Grad dH: Ab 2023 soll es in Alfeld weicheres Wasser geben – Bau der Trinkwasserenthärtungsanlage hat begonnen

Spritzende Wasserhähne, Kalkplatten im Wasserkocher, Ablagerungen in Spülkästen: Das könnte bald der Vergangenheit angehören beziehungsweise dürften die Auswirkungen des „harten“ Wassers geringer ausfallen. So mancher Hausbesitzer hat bereits selbst Maßnahmen ergriffen und Entkalkungsanlagen eingebaut. Nachdem sich die Alfelder und Alfelderinnen mehrheitlich nach einer Befragung 2018 für eine zentrale Trinkwasserenthärtungsanlage ausgesprochen haben, begannen nach der Planung und der umfangreichen Ausschreibung Anfang März 2022 die Bauarbeiten am Wasserwerk Eimser Weg. Die Errichtung der Anlage erfolgt im laufenden Betrieb, das bestehende Wasserwerk wird nach Fertigstellung außer Betrieb genommen. Das Wasserwerk am Liethgrund bleibt erhalten, um im Bedarfsfall hierauf zurückgreifen zu können.  

Das Wasserwerk am Liethgrund bleibt weiterhin erhalten.

„Bei der Enthärtung wird es künftig möglich sein, die Haushalte in Alfeld und den Ortsteilen (mit Ausnahme von Lütgenholzen) im Härtebereich „mittel“ (13 Grad dH) zu beliefern. Das weichere Wasser hat im Haushaltsbereich insbesondere Vorteile beim Einsatz von Spül- und Reinigungsmitteln. Es ermöglicht auch eine längere Nutzungsdauer von Haushaltsgeräten und Armaturen. Bei der Enthärtung wird ein spezielles Ionenaustauschverfahren eingesetzt, bei dem es im Gegensatz zu herkömmlichen Verfahren zu keiner Erhöhung von Inhaltsstoffen (z. B. Natrium) im Trinkwasser kommt.

Zusätzlich wird auch eine erhöhte Salzfracht im Prozessabwasser der Anlage vermieden“, heißt es seitens der Wasserwerk Alfeld GmbH. Die Ionenaustauscher müssen im laufenden Betrieb regelmäßig regeneriert werden, damit ihre Funktionstüchtigkeit erhalten bleibt. Bei dem geplanten Verfahren erfolgt die Regeneration ohne Zugabe von chemischen Mitteln. Die Regeneration erfolgt dieses ausschließlich mit Kohlenstoffdioxid (CO2), welches zum einen im Verfahren selbst entsteht und zum anderen von außen dem Enthärtungsprozess hinzugefügt wird. Damit leistet die Anlage auch einen positiven Beitrag zur CO2-Bilanz. Wenn alles planmäßig verläuft, kann die neue Anlage im Mai 2023 den Probebetrieb aufnehmen.

Zum Start der Bauarbeiten informierte die Wasserwerk Alfeld GmbH gemeinsam mit dem mit der Betriebsführung beauftragten Unternehmen Purena die örtliche Presse.

Das rechte vordere Gebäude muss dem Neubau weichen. 

Warum wird der Härtegrad nicht noch weiter reduziert?

„Eine weitere Reduzierung des Härtegrades ist zum einen nicht wirtschaftlich, zum anderen ist zwar hinreichend bekannt, dass zu viel Kalk Schäden hinterlässt, aber auch weiches Wasser kann durch das Fehlen von Phosphaten und Silikaten, die im harten Wasser gelöst werden und eine Schutzschicht in den Rohren bilden, durch Korrosion Schäden an Metallleitungen verursachen“, erklärt Selim Aksoy, Projektplaner vom Betriebsführer Purena. Mit dem Härtegrad 13 habe man den optimalen Wert gefunden, um Ökonomie und Ökologie zu vereinbaren.

Ist die neue Anlage gegen Hochwasser geschützt und wie verhält es sich mit dem Naturschutz?

„Da wir ein Kellergeschoss benötigen, ist das gesamte Gebäude mit einer sogenannten weißen Wanne gegen das Eindringen von Hochwasser geschützt. Außerdem sind alle Baumaßnahmen und Erdarbeiten mit der Unteren Wasserbehörde abgestimmt“, so Thorsten Laugwitz, Geschäftsführer der Wasserwerk Alfeld GmbH.

So sieht der Plan des zuständigen Ingenieurbüros aus. 
Eine weiße Wanne soll das Objekt vor Hochwasser schützen. 

Was kostet der Neubau?

„Die Kosten für die neue Anlage belaufen sich voraussichtlich auf sieben bis 7,5 Millionen Euro. Zusatzkosten werden nicht erwartet“, so Thorsten Laugwitz. Die Verbraucher müssen sich wohl auf eine Preissteigerung von maximal 50 Cent pro Kubikmeter einstellen. „Dafür kann man aber davon ausgehen, dass die Kosten für Reparaturleistungen und auch Reinigungsmittel geringer werden und die Lebensdauer von Waschmaschine, Geschirrspüler, Kaffeemaschine und Co. sich deutlich verlängert“, so Alfelds Bürgermeister Bernd Beushausen.

Wird sich der Geschmack des Wassers verändern?

„Grundsätzlich ist Trinkwasser geschmacksneutral. Die Trinkwasserenthärtungsanlage entzieht dem Wasser Magnesium und Kalzium. Für feinfühlige Konsumierenden wird das Wasser wohl anders schmecken beziehungsweise ein anderes Gefühl beim Trinken entstehen “, erklärt Olaf Cassens, Abteilungsleiter Netzgebiet West bei Purena.

Können private Enthärtungsanlagen weiter in Betrieb bleiben?

„Bevor die zentrale Trinkwasserenthärtungsanlage in Betrieb geht, werden wir dazu entsprechende Informationen geben“, erläutert Olaf Cassens. 

Warum ist das Alfelder Wasser so hart? Die SIEBEN: hat bei Bernd Galland nachgefragt.

Für den Grad der Härte ist der im Wasser enthaltene Kalk, also die Mineralien Calcium und Magnesium, die im Wasser gelöst sind, verantwortlich: Je mehr Kalk, desto »härter« ist das Wasser. Die Wasserhärte entsteht beim Durchfluss von Wasser durch Böden. Deshalb hängt es stark vom geologischen Untergrund ab, wie kalkhaltig das Wasser ist. „Da sich hier vor ca. 140 Millionen Jahren ein tropisches Meer befunden hat und sich im Meeresbecken Kalk abgelagert hat, bestehen die Sieben Berge aus Kalkstein, das erklärt also die Wasserhärte“, erläutert Bernd Galland. „Im Harz, der überwiegend aus Tonschiefer und Granit besteht, gibt es daher „weiches“ Wasser“, erläutert der Regionalgruppenleiter des ornithologischen Vereins zu Hildesheim. Mit seiner Arbeitsgruppe pflegt er regelmäßig Flächen rund um die Sieben Berge, die mit ihrem Kalk-Halbtrockenrasen unzähligen Orchideen eine Heimat bieten. 

Vortrag für Geologie-Interessierte

Zum Thema Geologie empfiehlt er das unterhaltsame Sachbuch „Als Deutschland am Äquator lag. Eine Reise in die Urgeschichte“ von Volker Arzt. Für Interessierte gibt es am Montag, 9. Mai, um 18:30 Uhr im Roemer-Pelizaeus-Museum in Hildesheim eine gemeinsame Veranstaltung des ornithologischen Vereins und des Museumsvereins Hildesheim einen Vortrag zum Thema „Salztektonik in Südniedersachen“ von Prof. Dr. Joachim Reitner (Geowissenschaftliches Zentrum, Uni Göttingen). Der Vortrag findet sowohl in Präsenz als auch online statt. Eine Anmeldung ist erforderlich. Für Mitglieder des OVH und der Fördervereine des RPM ist die Veranstaltung kostenlos, Nichtmitglieder zahlen 3 Euro. Weitere Informationen unter www.hildesheimermuseumsverein.de und www.ovh-online.de.  

Hat der Härtegrad des Wassers Einfluss auf die Knochengesundheit? Die SIEBEN: hat bei Dr. Matthias Bertram nachgefragt.

„Kalzium ist gut für die Knochen“, heißt es. Wenn jetzt Kalzium dem Alfelder Trinkwasser entzogen wird, hat das Einfluss auf die Knochengesundheit? „Nein“, sagt Dr. Matthias Bertram. Der Alfelder Chirurg erklärt, dass Trinkwasser den Kalziumbedarf nicht decken könne, da die Trinkmenge schlicht und einfach viel zu groß sein müsste. „Die Knochengesundheit ist durch viel Bewegung, Aufenthalt an frischer Luft, um ausreichend Vitamin D zu bilden, und mit einer ausgewogenen Ernährung, die Milchprodukte, wie Quark und Käse beinhaltet, gut zu beeinflussen. Die Knochendichte erreicht bei gesunden Menschen bis zu einem Alter von etwa 35 Jahren ihr Maximum. Danach reduziert sie sich jährlich um etwa ein Prozent. Baut sie sich schneller ab, spricht man von Knochenschwund. Mit einer Knochendichtemessung kann der Zustand der Knochen bestimmt werden, um eine eventuell vorliegende Osteoporose, die durch unterschiedliche Faktoren entstehen kann, entsprechend medikamentös zu behandeln und den weiteren Abbau zu verlangsamen“, erläutert der Mediziner.  

Freuen sich über den Baubeginn der Trinkwasserenthärtungsanlage (von links): Olaf Cassens, Bernd Beushausen, Thorsten Laugwitz, Peter Winkelmann (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wasserwerk Alfeld GmbH) und Selim Aksoy.

Wer ist Purena?
Purena, bzw. ihre Rechtsvorgänger, sind seit dem Jahr 1930 in der Wasserwirtschaft tätig. „Unsere Kunden können sich damit auf eine Erfahrung von mehr als neun Jahrzehnten in allen Belangen der Wasserwirtschaft verlassen. Purena gehört zu den größten wasserwirtschaftlichen Unternehmen in Niedersachsen. Mit einem Wasseraufkommen von rund 30 Millionen Kubikmetern pro Jahr sind wir verantwortlich für die Trinkwasserbelieferung für rund 485.000 Einwohner und sichern die Abwasserentsorgung für rund 150.000 Einwohner und Unternehmen“, heißt es auf der Internetseite. 

Neben der Wasserver- und -entsorgung übernimmt die Purena GmbH seit vielen Jahren auch andere Dienstleistungen wie die Führung von Bau- und Betriebshöfen, die Betreuung von Bäderbetrieben, die Projektierung von Kläranlagen und Trinkwasserenthärtungsanlagen sowie die Klärschlammverwertung und Prozessoptimierungen.

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