Fotos: Sappi

Papierherstellung benötigt Wasser

(sr) Wie nutzt Sappi Alfeld die Leine und was passiert dann mit dem Wasser?

„Wasser ist die Lebensader der Papierindustrie. Auch heute noch gilt – wie vor Jahrtausenden bei der Erfindung des Papieres – das Wort: Papier wird gleichsam aus dem Wasser geboren“, heißt es in der Chronik „Das Papierstammbuch“, die zum 275. Geburtstag der Alfelder Papierfabrik erschienen ist. Sie firmierte bis 1998 unter der Bezeichnung Hannoversche Papierfabriken Alfeld-Gronau AG.

Dieses Luftbild zeigt den Holzlagerplatz des Sappi-Werkes und die im Norden angrenzende Biologische Restabwasser-Kläranlage. Nach der Entnahme des Leinewassers am Mühlengraben fließt das biologisch geklärte Wasser bis auf den Teil, der bei der Papierproduktion verdunstet, in die Leine zurück. Der Blick aus luftiger Höhe verdeutlicht die Nähe zwischen Fluss und Werk. © Sappi

1706 erhielt Justus Herman Spies die Genehmigungsurkunde zum Bau einer Papiermühle in Alfeld. „Papiere würden sicherlich ihren Absatz in dieser offensichtlich aufblühenden Stadt … finden“, so vermutlich seine Annahme. „Die Wasserverhältnisse waren dank des …. Flüßchens Warne besonders günstig“, so die Chronik. „Bereits im Sommer 1708 gibt es die ersten Schwierigkeiten. Das Wasser reicht nicht aus; die Warne führt nicht genug.“  

Was als Papiermühle an der Warne begann, ist heute mit Sappi Alfeld eine Papierfabrik an der Leine, die rund 800 Mitarbeiter beschäftigt. Auch im Jahr 2022 gibt es keine Papierherstellung ohne Wasser. Sappi nutzt dafür die Leine und die Warne. Die SIEBEN: hat nachgefragt, was mit dem Wasser passiert.

Die mehr als 300-jährige Historie von Sappi Alfeld ist fest mit der Nutzung von Wasser verbunden. Was schon 1706 für den Papiermacher Justus Hermann Spies bei dem Bau einer ersten Alfelder Papiermühle elementar war, gilt bis heute für die Zellstoff- und Papierindustrie weltweit. Wasser ist ein grundlegender Rohstoff, den auch die Sappi Alfeld GmbH für die Produktion von Zellstoff und Papier nutzt. Es wird im Alfelder Werk auch zur Dampferzeugung in den Kraftwerkskesseln und bei der Kühlung der Kraftwerksturbinen   verwendet. Diese Konstellation erklärt die Nähe der Sappi-Fabrik zur Leine und Warne.

Der Diplom-Ingenieur Heiko Brix ist
Umweltbeauftragter im Alfelder Sappi-Werk. ©Sappi

Wehranlage hilft beim Aufstauen des Wassers

Was bei Sappi seit Jahrzehnten bestens läuft, wird unter der Federführung von Heiko Brix fortlaufend überwacht. Der erfahrene Diplom-Ingenieur ist Umweltbeauftragter von Sappi Alfeld. „Wann immer wir Wasser aus der Leine und Warne nutzen: Es geschieht mit hoher Sorgfalt und Vernunft“, erklärt Heiko Brix.  Das für die Produktion benötigte Wasser stammt aus dem Mühlengraben – also aus einem Nebenarm der Leine – und aus der südlichen Warne. Die Wehranlage hilft dabei, Wasser zu stauen und zum Teil in einen Seitenarm zu leiten. Ein Teil davon wird genutzt, um mit Hilfe einer Wasserturbine grünen Strom zu erzeugen.

Über den Mühlengraben fließt das Wasser in Richtung Sappi-Werk. Rechts am Ufer ist die Wasserentnahmestelle zu sehen. Foto: Susanne Röthig

39.000 Kubikmeter werden täglich entnommen 

Der Großteil des Wassers kommt bei Sappi in der Produktion zum Einsatz. Rohrleitungen transportieren das vorher aufbereitete Flusswasser als Frischwasser zu den jeweiligen Anlagen. Pro Tag fließen rund 39.000 Kubikmeter in weitgehend geschlossene Kreisläufe mit einer Mehrfachverwendung. Dafür zahlt Sappi Alfeld eine Entnahmegebühr an das Land Niedersachsen. Sie ist nicht zu verwechseln mit den Kosten für Trinkwasser, das Sappi unter anderem für den Betrieb sanitärer Einrichtungen benötigt. Es wird aus dem städtischen Netz bezogen, als Sanitärabwasser in die städtische Kläranlage zurückgeführt und nicht mit dem für die Zellstoff- und Papierproduktion verwendeten Wasser vermischt.

 Der kontrollierte Weg des Flusswassers durch das Sappi-Werk ist kurz beschrieben. Es wird nach der Entnahme und einer Vorklärung in einem Kläraggregat von absetzbaren Stoffen gereinigt und anschließend filtriert. Erst dann erfolgt die Übergabe an die Produktion. Großvolumige Hochbehälter gleichen Schwankungen im Wasserverbrauch aus. Für Sappi ist es wichtig, das Flusswasser sorgfältig aufzubereiten, um Verunreinigungen von Maschinen, Zylindern und Rohrleitungen vorzubeugen. Außerdem stellt die professionelle Herstellung hochwertiger Spezialpapiere und Kartonagen hohe Ansprüche an die Wasserqualität. 

Am Leinewehr staut sich das Wasser und fließt teilweise in den Mühlengraben. Hier ist Sappi Alfeld vor einigen Wochen tätig geworden und befreite das Wehr von angeschwemmtem Holz. „Das ist ein Beitrag, den Sappi Alfeld im Rahmen der Erlaubnis zur Nutzung des Leinewassers leistet “, erläutert Heiko Brix. Foto: Susanne Röthig

Nach vollbiologischer Reinigung erfolgt Rückfluss in die Leine

Nach der Nutzung des Wassers, von dem ein geringer Teil während der Produktion verdunstet, erfolgt eine Vorklärung jeweils getrennt in der Zellstoff- und der Papierfabrik. Bevor das Abwasser an einer festgelegten Einleiterstelle der Leine zurückgeführt wird, erfolgt eine zweistufige, vollbiologische Reinigung. Sappi Alfeld folgt den Vorgaben europäischer und nationaler Gesetze und Verordnungen. Die wasserrechtliche Genehmigung für die Entnahme, Nutzung und Rückführung des Flusswassers erteilt der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Diese Landesbehörde untersteht der Aufsicht des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt und Klimaschutz. 

Gemeinsam wird darauf geachtet, dass das Flusswasser nach der Benutzung in einem genehmigten Zustand in die Leine zurückgeführt wird. Dazu gehört die kontinuierliche Kontrolle der Wassermenge, des pH-Wertes, des Sauerstoffgehaltes und der Temperatur. In einer Messstation werden fortlaufend Proben gezogen, an denen diverse Analysen nach einem vorgeschriebenen Prozedere täglich durchgeführt werden. Kontrollmessungen erfolgen unangemeldet durch die zuständige Wasserbehörde.

 Zur Papierherstellung nutzt das Alfelder Sappi-Werk Wasser aus der Leine und der Warne. Foto: Susanne Röthig

Neuer Lamellenklärer seit Anfang 2022

Für Sappi Alfeld und den gesamten Sappi-Konzern gilt: In Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen wird auf einen schonenden Umgang mit der Ressource Wasser geachtet. „Wir achten seit Jahrzehnten darauf, Gas, Strom und Wasser möglichst effizient und sparsam zu nutzen. Dazu haben wir eine Verpflichtung und sorgen kontinuierlich für Verbesserungen“, erklärt Sappi-Experte Brix. Als Umweltbeauftragter steht er in ständigem Dialog mit den Fachabteilungen. Mithilfe vielfältiger Projekte und Optimierungen leistet Sappi Beiträge dazu, die Umwelt zu schonen und nachhaltige Ziele zu erreichen. So ist Anfang des Jahres ein neuer Lamellenklärer in Betrieb gegangen, der pro Stunde bis zu 1.500 Kubikmeter Flusswasser reinigen kann. Weitere Projekte zur Wassereinsparung laufen im Rahmen fortlaufender Optimierungen. (red/sr)

Mehr Informationen zum Sappi-Werk in Alfeld unter:

www.sappi.com

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