Fotos: Susanne Röthig

Lateinschule Alfeld: Beispiel bürgerschaftlichen Engagements und Mitgestaltung

Die Alfelder Lateinschule hat ebenso wie das Weltkulturerbe Fagus Werk eine herausragende Bedeutung für die Stadt Alfeld (Leine). Das vor 400 Jahren aufwendig erbaute und heute als Museum genutzte Gebäude wurde zu sehr großen Teilen aus der Bürgerschaft finanziert. Die Namen der spendablen Bürger sind an den Fassadenplatten, die in Richtung Seminarparkplatz angebracht sind, zu lesen.

Die mehr als 400 Jahre alte Lateinschule ist eine touristische Attraktion und beherbergt das Alfelder Stadtmuseum.

So war das Thema des vorerst letzten Alfelder Stadtgesprächs am 10. November. sehr passend im Rahmen des zu entwickelnden neuen Alfelder Leitbildes gewählt. Die Referentin Ina Gravenkamp erläuterte die Geschichte der seinerzeit neu erbauten Schule aus der Situation heraus, dass das Vorgängermodell zu alt und zu klein war. „Neubau? Anbau? Was können wir uns leisten? So die Fragen, die sich die Menschen auch vor 400 Jahren gestellt haben.“ 

Die damals wohlhabende Kaufmanns- und Handwerkerstadt Alfeld wollte sich dann etwas Besonderes gönnen und zahlreiche Bürger gaben Geld, um das für damalige Verhältnisse prunkvoll ausgestattete Haus bauen zu können. „Es ist das einzige historische Schulgebäude aus dieser Zeit, das mit diesem Außenschmuck ausgestattet ist“, erklärt die Museumsleiterin. Das protestantisch-humanistische Bildungskonzept sah drei Stufen der Bildung vor. Es gab die allgemeine Schule, in der alle lesen und schreiben lernen sollten. Die Lateinschule bereitete auf das Universitätsstudium vor und vermittelte Bibelkenntnisse. An der Universität erworben Theologen, Juristen und Mediziner ihr Wissen. Bildung war ein zentrales Anliegen der Lateinschule. „40 Prozent der Bausumme brachten die Bürger auf“, erklärte Ina Gravenkamp. Und so begannen 1610 die Bauarbeiten. 

Der 30-jährige Krieg (1618 bis 1648) beendete den Wohlstand. „Alfeld lag am Boden“, so die Museumsleiterin, die die Zuhörenden mit ihren Ausführungen beeindruckte. Erst der Bau der Eisenbahnstrecke Mitte des 19. Jahrhunderts ebnete den Weg für Industrialisierung und Wirtschaftswachstum im Leinetal. Die genaue Geschichte der Alfelder Lateinschule können Interessierte während einer Stadtführung erfahren. Einfach beim Bürgeramt unter (0 51 81) 703-111 buchen. 

Johannes Stechman war einer der Bürger,
die den Bau der Lateinschule ermöglicht haben.

Ist ein solches Engagement auch heute noch denkbar?

Für die Bürgerschaft vor 400 Jahren war die Schule wichtig und bedeutete entsprechende Bildung. Sie hat den Nutzen für sich erkannt und daher das Projekt großzügig unterstützt. Was brauchen wir für unsere Stadt heute? Eine Vielzahl von Bürgerinnen und Bürgern bringt sich auch heute ein, für Dinge, die ihnen wichtig sind. Das kann mit finanziellen Mitteln und auch mit tatkräftiger Unterstützung sein. Die Tafel, Hilfe für Geflüchtete, Sportvereine, Kirche, Stiftungen, Feuerwehr, Senioren-Akademie und viele weitere Einrichtungen leben durch bürgerschaftliches Engagement, von dem Alfeld profitiert. Die Ideen und Anregungen, die sie zur Entwicklung des neuen Leitbildes einbringen, zeigen die Vielfältigkeit, auf die Alfeld bauen kann. „Und gute Projekte finden auch heute Sponsoren“, so Mario Stellmacher im SIEBEN-Gespräch. „Die Lateinschule hat eine spannende Geschichte“, sagt Tanja Dornieden, die den Prozess der Entwicklung des neuen Alfelder Leitbildes begleitet. (SIEBEN: berichtete) Diese und weitere Geschichten gilt es aufzuarbeiten, um die Stadt auch digital erlebbar und interessant zu machen. Teil 2 der Stadtgespräche wird sich im nächsten Jahr anschließen. Externe Experten sollen dann zu Wort kommen, so Mario Stellmacher und Tanja Dornieden. 

Tanja Dornieden und Mario Stellmacher freuen sich über die qualitativ guten Anregungen, die während der Stadtgespräche aus der Bürgerschaft kommen.

Was bringt ein neues Leitbild für die Stadt Alfeld (Leine)?

„Das Leitbild hält fest, wohin die Stadt in den nächsten 15 bis 20 Jahren will“, erläutert Mario Stellmacher im SIEBEN-Gespräch. „Im Leitbild von 2006 wurde bereits die Wichtigkeit des Klimaschutzes festgeschrieben. Bei Planung und Bau waren also ökologische Grundsätze zu berücksichtigen. Bei Neubauten haben wir bereits frühzeitig auf erneuerbare Energie gesetzt und Gebäude mit Pellets, Hackschnitzeln oder Erdwärme beheizt. Weiterhin sind durch das Leitbild beispielsweise die Standortgemeinschaft Innenstadt entstanden und wurden die Aktionen „Ab in die Mitte“ durchgeführt. Für die nächsten 15 bis 20 Jahre ist unter anderem das Radverkehrskonzept angelegt, um die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu verbessern. Der aktuelle Prozess bietet Bürgerinnen und Bürgern viele Möglichkeiten der Mitgestaltung.“ 

„Lust auf Alfeld. Bring dich ein“, 

so denn auch das Motto. (sr)

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