Henry Kirch ist am 27. Januar 2026 im Alter von 86 Jahren verstorben. Mit ihm verliert die Region eine prägende Persönlichkeit der Gewerkschaftsbewegung und der kommunalen Sozialdemokratie – einen Mann des klaren Wortes, der Haltung zeigte und Verantwortung übernahm.
1939 in Glückstadt geboren, wuchs Henry Kirch in Limmer auf. Nach der Volksschule absolvierte er eine Maschinenschlosserlehre bei der Alfelder Firma Bäckereimaschinen Schmidt. Der Streik in diesem Betrieb im Jahr 1968 wurde zu einem Einschnitt in seinem Leben: Kirch wurde fristlos entlassen – eine Erfahrung, die seinen weiteren Weg entscheidend prägte.
1970/71 studierte er an der Akademie der Arbeit in Frankfurt. Am 1. Mai 1971 begann er als „Schwerpunktsekretär“ bei der IG Metall Alfeld. Nach dem Tod von Gerhard Franke wählten ihn seine Kolleginnen und Kollegen 1988 zum Ersten Bevollmächtigten der Verwaltungsstelle. Dieses Amt übte Henry Kirch bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2004 aus – mit großem Engagement und anerkanntem Erfolg.

Kirch war ein rühriger Gewerkschaftsfunktionär in schwierigen Zeiten. Persönliche wie politische Integrität zeichneten ihn ebenso aus wie seine Fähigkeit, Menschen mitzunehmen und zu mobilisieren. Als kämpferischer Arbeiterführer verstand er es, auf Betriebsversammlungen oder Kundgebungen seine Kolleginnen und Kollegen aufzurütteln. Seine offensiv ausgerichtete Öffentlichkeitsarbeit stärkte nicht nur die Gewerkschaft vor Ort, sondern prägte auch das politische Klima in Alfeld nachhaltig.
Zugleich war Henry Kirch ein kühler Stratege mit langem Atem. Mit Konsequenz baute er Interessenvertretungen in einzelnen Betrieben auf und verhandelte Sozialpläne souverän und sachkundig. In seiner Wahlheimat war er tief verwurzelt und verstand sich als Anwalt der Industrie in Dassel, Einbeck, Alfeld, Gronau und Elze – ohne jemals Abstriche an seiner politischen Grundhaltung zu machen.
Auch über die Gewerkschaft hinaus engagierte sich Henry Kirch in der Sozialdemokratie. Mehrere Jahre vertrat er im Rat der Stadt Alfeld die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dank seiner guten Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern konnte er in schwierigen Situationen wirksam helfen: So trug er unter anderem dazu bei, bei den in Konkurs geratenen Firmen Künkel Wagner und den Alfelder Eisenwerken zahlreiche Arbeitsplätze seiner „Metaller“ zu sichern.
Henry Kirch hinterlässt eine Lücke – als Gewerkschafter, als politischer Mensch und als Persönlichkeit mit klarer Haltung. Sein Wirken wird in der Region in Erinnerung bleiben. (red)

Das Interview aus März, 2004 finden Sie hier.






