Frühling lässt sein blaues Band, wieder flattern durch die Lüfte – so beginnt das wohl bekannteste deutsche Frühlingsgedicht, das viele Generationen von Schüler*innen auswendig lernen mussten. Deshalb wissen auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, sicher noch den Namen des Dichters und müssen ihn gar nicht erst mal schnell „googeln“.
Das mit dem schnellen Nachschlagen im Netz ist allerdings eine feine Sache, auch wenn manch Wissenschaftler warnt, dass unsere Denk- und Merkfähigkeit damit immer mehr eingeschränkt werde. Wir haben dennoch einmal nachgeschaut, seit wann eigentlich die Wintergeister mit den Frühlingsfeuern vertrieben werden und schließlich zu Osterfeuern geworden sind.
Dabei sind wir auf manch Widersprüchliches gestoßen. Die KI behauptet steif und fest, das Osterfeuer verbinde die heidnischen Wurzeln mit christlicher Symbolik, der Brauch sei aufgrund eines Briefwechsels 751 n. Chr. in die christliche Liturgie integriert worden und symbolisiere die Auferstehung Jesu Christi als „Licht der Welt“. In einem Beitrag des NDR vom April letzten Jahres wiederum wird gesagt, der älteste Beleg für das Osterfeuer als weltlichem Brauch gehe auf eine Nennung in Hasselfelde im Harz im Jahr 1559 zurück.
Das Institut für Landes-und Regionalgeschichte Rheinland schließlich meint belegen zu können, Handlungen wie die Segnung des Feuers und das Entzünden der Osterkerze habe sich seit dem 12. Jahrhundert entwickelt. Und meint sogar, es sei ein weit verbreiteter Irrglaube und wissenschaftlich gar nicht belegt, dass Osterfeuer ein heidnischer Brauch seien, um den Winter oder böse Geister zu vertreiben und den Frühling willkommen zu heißen. Na, so was!
Wenn Sie trotzdem auch in diesem Jahr wieder ein Osterfeuer sehen wollen, finden Sie einen Überblick über Zeiten und Orte in unserer Region in dieser Ausgabe.
Weniger umstritten ist der Ursprung der Ostermärsche in Deutschland, die während des sogenannten Kalten Krieges zu einem elementaren Teil der Friedensbewegung wurden. Der erste am Karfreitag 1960 führte zum NATO-Truppenübungsplatz Bergen-Hohne im Süden der Lüneburger Heide, unweit des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Dort waren nur wenige Monate zuvor Raketen vom Typ Honest John stationiert worden, die Atomsprengköpfe aufnehmen sollten. Plötzlich kommt uns das alles gar nicht mehr so weit entfernt vor – und wer weiß, vielleicht möchte der eine oder die andere in diesem Jahr doch einmal wieder an einem Osterfriedensmarsch teilnehmen, z. B. am 4. April in Hannover.
Teilnehmen können Sie natürlich auch in diesem Monat wieder an ganz vielen weiteren unterschiedlichen Veranstaltungen in unserer Region: Lassen Sie sich inspirieren beim Tag der Offenen Tür der Gerhard Most Musikschule, staunen Sie bei der Hausmesse der Firma Wolff oder beim Tag des Kunsthandwerks, tauchen Sie ein in Blaubarts Kammer mit dem Theaterverein Alfeld, feiern Sie auf dem Alfelder Frühlingsmarkt und tanzen Sie in den Mai bei der Ü30 Party in der SVA Halle oder beim Konzert der Flying Pickets in Delligsen. Verpassen sollten Sie ebenfalls nicht die Ausstellung Becherlinge, Boys and Birds in der Perspektive Schmuckgalerie in Hameln. Auch dazu finden Sie mehr in diesem Heft.
Die Überschrift unseres Editorials in diesem Monat haben wir einem Frühlings-Gedicht von Ludwig Uhland aus dem Jahre 1812 zu verdanken, in dem es heißt:
„Nun, armes Herze, sei nicht bang! Nun muss sich alles, alles wenden.“ In diesem Sinn: Bleiben Sie neugierig, beweglich und zuversichtlich und haben Sie wie immer viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe
Ihre SIEBEN:






