Fotos: Susanne Röthig

Fahrradstadt Alfeld?

03.06.2022, (sr)

Radverkehrskonzept erfordert Kompromisse
Weitere Bürgerbeteiligungsangebote bieten Möglichkeiten zur Mitgestaltung 

Verlockend ist die Aussicht, dass es möglich sein könnte, mit dem Fahrrad schnell und zügig durch die Stadt zu fahren, während die Autos zumindest zeitweise im Stau stehen. Schnell und ohne Parkplatzsuche bis vor das Geschäft oder zur Arbeit fahren, im Idealfall auch noch komfortable und überdachte Stellplätze für das Fahrrad vorfinden. Alfeld ist bisher mit einem Anteil von 5 Prozent Radfahrenden alles andere als eine Fahrradstadt. Das soll sich ändern, doch das Thema ist komplex. War in der Vergangenheit Alfelds Topografie hinderlich, spiele diese durch den Siegeszug des E-Bikes nur noch eine untergeordnete Rolle, war vom beauftragten Planungsbüro zu hören. Die Planersocietät aus Dortmund hat den Stadtentwicklungs- und Umweltschutzausschuss über den derzeitigen Sachstand zur Bestandsaufnahme und Bestandsanalyse informiert. Im Fokus steht dabei der Alltagsradverkehr, der auf attraktiven Nebenstrecken eine Alternative zum Auto sein soll.  Ziel ist es, bessere Bedingungen für Radfahrende und Fußgängerinnen und -gänger zu schaffen. Eine Online-Bürgerbeteiligung und ein Rad-Café brachten eine Vielzahl von Ideen und Vorschläge, die in das Konzept mit aufgenommen wurden.

Vorort-Befahrung zur Bestandsaufnahme

Eine Vorort-Befahrung durch das Planungsbüro hat weitere Erkenntnisse geliefert. Sogenannte Fahrradstraßen sollen es den Radlern ermöglichen, komfortabel, sicher, zügig und auf möglichst direktem Weg ihr Ziel zu erreichen. Auf den Fahrradstraßen geben Radfahrende den Ton an, Kraftfahrzeuge haben sich, wenn sie denn zugelassen sind, unterzuordnen. Noch wird geplant, werden verschiedene Optionen bewertet. Eine Möglichkeit sieht Planersocietäts-Mitarbeiterin Sabrina Wörmann in einer Trasse Eimser Weg – Schulgasse – Bismarckstraße. Die Anbindung von Schulen sei hier bestens gegeben. Auch der Antonianger könnte von den Maßnahmen betroffen sein, um den Schülerinnen und Schülern eine sicherere Fahrt zur Bildungseinrichtung zu ermöglichen. Zudem ist laut Konzept empfohlen, die Fußgängerzone für den Radverkehr zu öffnen und weitere moderne Abstellmöglichkeiten zu schaffen. Der bauliche Zustand der Radwege müsse ebenfalls verbessert werden. 

Beispiel Hackelmasch Richtung Limmer: Besonders in der dunklen Jahreszeit fühlen sich Radfahrende hier nicht sicher. Eine Beleuchtung könnte Abhilfe schaffen und für mehr Frequentierung sorgen, die dann eine soziale Kontrolle nach sich ziehen könnte. Die Lichtquelle könnte aber unter Naturschutzaspekten problematisch sein. Im Bereich der Unterführung empfiehlt das Planungsbüro, Schilder aufzustellen, die Radfahrende zum Absteigen auffordern. Aktuell weist ein Schriftzug schon seit Jahrzehnten auf die Problematik hin, das entspricht aber natürlich nicht den aktuellen Vorschriften, die für die Ausweisung eines Radweges gelten. 

Beispiel Bahnhofstraße: Im Gespräch sind unter anderem eine Verbreiterung der Leinebrücke durch das „Anhängen“ einer einseitigen zusätzlichen Fahrradtrasse und ein Überholverbot. 

Sind seit vielen Jahren regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs: (von links) Ernst Martin Behrens, Wolfgang Keuneke, 
Eduard Lange, Dr. Christian Möller, Winfried Nolte, Hans Nottbohm, Ralf Peine, Wilfried Ammann, Peter Dittrich und Gerd Rüsing. Zum festen Kreis gehören außerdem noch Dr. Klaus Husen und Dr. Ludger Ferrari. 

Beispiel Ziegelmasch: Der Landkreis setzt diesen Weg nicht mehr instand. Eine Übernahme des Weges durch die Stadt sei denkbar, so Sabrina Wörmann. Die aktuelle Breite reicht allerdings nicht aus, um Geh- und Radverkehr in beide Richtungen aufzunehmen. Für Fahrräder soll es dann die Möglichkeit geben, Richtung Röllinghausen den Radweg zu nutzen und für den Rückweg auf einem auf der Fahrbahn abgetrennten Bereich, sogenannten Fahrradstreifen, zu fahren. Das geht dann allerdings zu Lasten der am Straßenrand parkenden Autos. 

Beispiel Südwall: Hier wird über eine Fahrradstraße mit beidseitiger Befahrbarkeit diskutiert. Für den Autoverkehr soll weiterhin die einseitige Befahrbarkeit möglich sein. Auch hier würden dann die Parkmöglichkeiten wegfallen. Nach Meinung des Planungsbüros seien genügend andere Parkplätze vorhanden. Ausschussmitglied Gabriele Schunder wies darauf hin, dass es wichtig ist zu unterscheiden, ob es sich um Dauerparkmöglichkeiten handelt oder das Parken zeitlich begrenzt ist. 

Beispiel Hörsum-Alfeld entlang der Kleingärten im Wambeck: Auch hier nutzen bereits viele Radfahrende den vorhandenen Grasweg. Mit einem Ausbau der Strecke an den Kleingärten entlang wäre eine attraktive Fahrstrecke abseits der Hauptstraße und des Gehweges möglich, von der auch der KFZ-Verkehr auf der Winzenburger Straße profitiert. 

Ausschussmitglied Guido Franke merkte an, dass es auf Wirtschaftswegen immer wieder zu Konflikten zwischen Landwirten und Radfahrenden komme. Die Eigentumsverhältnisse müssten hier geklärt werden. „Wenn wir dem einen etwas geben, müssen wir dem anderen etwas wegnehmen“, weist der Vorsitzende des Stadtentwicklungs- und Umweltschutzausschusses, Oliver Wöhler auf Problematiken hin. Auch Planungsamtsleiterin Christina Beck stellte fest, dass die Stadt nicht neu gebaut werde und somit Kompromisse und Rücksichtnahme notwendig seien. „Beteiligen Sie sich aktiv an diesem Prozess“, forderte sie die Ausschussmitglieder auf. „Ich selbst sehe es als Zugewinn an Lebensqualität an, mein Auto stehen lassen zu können und sicher mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen“, sagt die Planungsamtschefin im SIEBEN-Gespräch. Die passionierte Radfahrerin nutzt das Rad nicht nur für die Fahrten zur Arbeit, sondern ist auch mit dem Mountainbike oft im Leinetal unterwegs. „Wenn es für die Radfahrenden attraktive Möglichkeiten auf den Nebenstraßen gibt, sind die Autofahrenden dafür auf den Hauptstraßen vom Radverkehr entlastet“, sagt Christina Beck. Von einem gut durchdachten Konzept könnten also Verkehrsteilnehmer und Umwelt profitieren.  

Während Planungsradtour selbst mitgestalten

„Am Mittwoch, 29. Juni 2022, 17 Uhr haben Bürger und Bürgerinnen die Möglichkeit, an einer Planungsradtour teilzunehmen. Treffpunkt ist die Mobilitätszentrale am Bahnhof“, teilt Christina Beck mit. Am 16. September gibt es einen Stand während des Stadtfestes zum Thema. Im Herbst soll die Bestandsaufnahme abgeschlossen sein und ein endgültiges Konzept vorliegen, so der Fahrplan der Stadtverwaltung. Für die Erstellung des Radverkehrskonzepts sind 60.000 Euro eingeplant. Sollte der Rat im 4. Quartal 2022 den Plänen zustimmen, ist die Einrichtung der Fahrradstraßen wohl relativ zügig und günstig umzusetzen. „Für aufwendigere Maßnahmen, wie der Ausbau einzelner Radwege werden wir dann entsprechende Fördermittel beantragen“, erklärt Mario Stellmacher. 

Unter www.alfeld.de gibt es weitere Informationen rund um das Radverkehrskonzept.   

FAA und Hotel am Schlehberg 
vermieten E-Bikes
Einfach mal testen 

Das Forum Alfeld Aktiv bietet Mieträder zum Preis von 20 Euro pro Tag für Touristen aber auch für Bewegungsbegeisterte, die die Vorzüge des E-Bikes einfach mal etwas länger ausprobieren wollen, um sich vielleicht ein Rad zu kaufen, an. Buchbar sind die vorhandenen Räder unter https://www.travelbike.de/mietstation/forum-alfeld-aktiv-ev-208/ oder 0 51 81 / 703 169. An der Perkstraße 29, 31061 Alfeld kann das Bike dann abgeholt werden. Tourenvorschläge sind auf der Seite des Regionsvereins Leinebergland unter www.region-leinebergland.de zu finden.  

„Alfeld lässt sich wunderbar mit dem Fahrrad erkunden. Noch spaßiger und effizienter wird dies mit einem E-Mountainbike“, verspricht Kai Schubert, Inhaber vom Hotel Restaurant
7 Berge am Schlehberg. Gästen stehen insgesamt 5 E-Bikes in unterschiedlichen Größen zur Verfügung. Diese sind für Trekkingtouren geeignet. Mietstandort ist das Hotel am Schlehberg in Alfeld. Auch die Übernahme der Bikes erfolgt hier. 

„Unsere Räder der Marken Stevens und Riese & Müller sind auf dem aktuellen technischen Stand und werden regelmäßig gewartet. Fahrradhelme können zur Verfügung gestellt werden“, so Kai Schubert. 

Viele weitere Infos zum Hotel, Restaurant und den weiteren Angeboten wie die Quad-Verleihung gibt es unter www.hotelschlehberg.de. 

Wie zufrieden sind Sie mit dem Radwegenetz rund um Alfeld?

Die SIEBEN: hat bei Peter Dittrich, der mit seinen Radfahrkollegen seit rund 20 Jahren in der Freizeit regelmäßige Touren fährt, nachgefragt. Die Teilnehmer der Gruppe sind im Alter von 68 bis 85 Jahren, legen während eines Vormittags etwa 40 bis 50 Kilometer zurück und kennen die Wege rund um Alfeld und der weiteren Umgebung sehr genau. 

„Wir wären schon zufrieden, wenn das bestehende Radwegenetz in Ordnung gehalten wird. Beispielsweise gibt es im Bereich Warzen-Brunkensen Absenkungen, die zwar notdürftig „entschärft“ wurden, aber nicht fahrradfreundlich sind. Auch fehlen einige Verbindungen, wie zum Beispiel Brunkensen-Godenau. Hier ist es gefährlich, auf der Straße zu fahren. Leider sind einige Wege unter anderem Wispenstein-Freden sehr zugewachsen.  Sobald das Gebiet Freden erreicht wird, ist der Zustand des Weges deutlich besser“, erläutert Peter Dittrich.

Ziegelmasch: Auf den Sanierungsbedarf weist eine umfangreiche Beschilderung hin.
Föhrste-Alfeld: Marode Straßen und Radwege zwingen zur Langsamkeit. Das kann guttun,  aber ob es Menschen tatsächlich Lust aufs Fahrradfahren macht, wenn sie auf den Radwegen wieder absteigen sollen?
Parallel zur Winzenburger Straße könnte hier, so sieht es das derzeitige Radverkehrskonzept des von der Stadt Alfeld (Leine) beauftragten Planungsbüros vor, nach entsprechendem Ausbau ein attraktiver Radweg entstehen.  

Der Siegeszug des E-Bikes: Große Auswahl bei Kelpe Bikes

Erweiterung der Geschäftsräume geplant

„Die Nachfrage ist ungebrochen“, bestätigt Andreas Kelpe, der nach dem Verkauf seines Geschäfts an einigen Wochentagen weiterhin dort als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Geschäftsführer Alexander Schneider kündigt an, dass aus diesem Grund Werkstatt und Verkaufsräume vergrößert werden. „Durch die umfangreichere Wartung der E-Bikes sind unsere Werkstattplätze zurzeit mehr als ausgelastet. Mit dem Anbau schaffen wir weitere Arbeitsplätze und mehr Komfort für unsere Kundschaft. Auch haben wir als ZEG-Partner einen relativ großen Bestand an E-Bikes vor Ort, sodass wir in den meisten Fällen ein Bike in optimaler Größe und Ausstattung auch in unterschiedlichen Preisklassen anbieten können. Wer allerdings Wert auf eine bestimmte Farbe oder Ausstattung legt, muss teilweise mit längeren Lieferzeiten rechnen.“ 

Mit der Vergrößerung des Gebäudes geht auch eine komplette Neugestaltung des Verkaufsraumes einher. „Wir präsentieren unser Sortiment dann in einem zeitgemäßen Umfeld, auf das sich unsere Kundschaft schon jetzt freuen darf.“ 

Nächster Gebrauchtfahrradmarkt am 11. Juni 2022

19 Mitarbeitende garantieren bei Kelpe Bikes umfangreichen Beratungskomfort und professionellen Werkstattservice. Das Außengelände bietet Platz für Probefahrten, um festzustellen, ob das Modell auch den Vorstellungen des Kunden entspricht. Passendes Zubehör und Bekleidung sorgen für das optimale Fahrvergnügen. Herkömmliche Fahrräder ohne Antrieb speziell auch für Kinder und Jugendliche ergänzen das Angebot. „Beliebt sind auch unsere Gebrauchtfahrradmärkte“, erklärt Andreas Kelpe. Am Samstag, 11. Juni 2022, ab 9 Uhr haben Interessierte wieder die Möglichkeit auf dem Gelände alles rund ums Fahrrad anzubieten. 

Kommen Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Rad zur Arbeit? Was sagen diese zum Radwegenetz und welche Verbesserungen wären wünschenswert? 

„Viele unserer Mitarbeitenden kommen mit dem Fahrrad zur Arbeit, einer sogar jeden Tag aus Kreiensen“, erläutert Alexander Schneider. „Den Umfang des Radwegenetzes sieht die große Mehrheit als zufriedenstellend an, am Zustand der Wege ließe sich allerdings einiges verbessern. Besonders Fahrradstraßen wären ein Gewinn für alle, die zügig durch die Stadt unterwegs sein möchten.“

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