4. Stadtgespräch
Die Plätze waren knapp: Das Thema Radverkehr lockte rund 60 Interessierte ins Kuba. Zieht man Ratsvertretende und Mitarbeitende der Stadtverwaltung ab, bleiben rund 40 Bürgerinnen und Bürger, die die Gelegenheit nutzten, Fragen zu stellen beziehungsweise sich einen zusammenfassenden Rück- und Ausblick anzuhören.
Das von der Planersocietät entwickelte Konzept ist 100 Seiten stark und einfach auf der Internetseite der Stadt Alfeld unter dem Suchbegriff „Radverkehrskonzept“ zu finden. In seinem Impulsvortrag wies Erster Stadtrat Mario Stellmacher darauf hin, dass die Planer von Anfang an die Bürger und Bürgerinnen mit mehreren Aktionen, darunter Workshops, Radtour, Online-Befragung, in die Planung mit einbezogen hatten. Umgesetzt wurden daraufhin die Öffnung der Fußgängerzone (mit Ausnahme der Marktstraße und der Kurzen Straße für Radfahrende, die Ausweisung von Fahrradstraßen, ein Schutzstreifen im Bereich der Leinebrücke und zeitgemäße Abstellmöglichkeiten in der Innenstadt.
Schulleiter ziehen positives Fazit
„Wir sind in Alfeld in der komfortablen Situation, dass alle Dinge des täglichen Lebens in rund 10 Minuten erreichbar sind. Die unter Berücksichtigung der angespannten Haushaltslage kostengünstig umgesetzten Maßnahmen sollen vor allem das Alltagsnetz für Radfahrende stärken, um das Fahrradfahren in der Innenstadt attraktiver zu machen“, so Mario Stellmacher. „Auf den Fahrradstraßen, die auf Nebenstraßen verlaufen, können die Zweiräder zügig vom Eimser Weg bis zum Finkenweg bzw. vom Heiligenhölzchen bis zum Bahnhof fahren. Wir haben allerdings nur einen begrenzten Raum zur Verfügung.“
So seien einige Parkplätze weggefallen und gegenseitige Rücksichtnahme sei unerlässlich. Positiv kommt das bei Michael Strohmeyer an. Der Schulleiter des Alfelder Gymnasiums, der selbst begeisterter Fahrradfahrer ist, lobt die Einrichtung der Fahrradstraßen, moniert allerdings den schlechten Zustand vieler Radwege.
Der Konrektor der Carl-Benscheidt-Realschule, Sebastian Wöhler, sagt auf Nachfrage der SIEBEN: „Die Einrichtung der Fahrradstraßen ist eine sehr gute Sache. Besonders erfreulich ist, dass die Schulen von Anfang an optimal in die Planung eingebunden waren. Durch die Aufbringung der Piktogramme auf der Fahrbahn ist die Sichtbarkeit und Akzeptanz deutlich verbessert worden. Schade ist nur, dass gerade zur Mittagszeit die Elterntaxis täglich für Gefahren sorgen. Einige parken sogar auf dem Zebrastreifen.“ Er wünscht sich hier mehr Kontrollen, um den Schulweg sicherer zu gestalten.
Radfahrende geben Tempo vor
Über die Verkehrsregeln auf den Fahrradstraßen und besonders dem Schutzstreifen auf der Leinebrücke informierte der Kontaktbeamte des Polizeikommissariats Alfeld, Robert Stein, humorvoll: „Die Fußgänger mögen die Radfahrer nicht, die Radfahrer die Autofahrer nicht und alle mögen mich nicht, wenn ich dort stehe.“ Man müsse unterscheiden, ob sich Verkehrsteilnehmer aus Unwissenheit oder absichtlich falsch verhalten. Der Beamte weist auf Sprachbarrieren sowie mangelndes Wissen hin und hat angekündigt, dass dort weiterhin Aufklärungsarbeit geleistet werden soll.
„Wenn sich Rad- oder E-Scooter-Fahrende auf dem Schutzstreifen befinden, müssen die Autofahrenden für diese Zeit hinterherfahren. Auch auf den Fahrradstraßen geben Radfahrende das Tempo vor (maximal 30 km/h) und dürfen auch nebeneinander fahren.“
Unsicher fühlt sich eine Teilnehmerin in der Fußgängerzone. „Manche Radfahrende sind einfach zu schnell unterwegs, so dass es zu gefährlichen Situationen kommt“, sagt sie.
Eine bessere Kommunikation zum Radverkehrskonzept wünschte sich eine andere Teilnehmerin. „Es wurde vielfach in der örtlichen Presse berichtet, Anlieger der Fahrradstraßen und Eltern sind mit Flyern und Anschreiben informiert worden“, antwortete Mario Stellmacher. Manche Dinge seien auch eine „Holschuld“. „Ich bin jetzt häufiger in der Innenstadt, da ich mit dem Fahrrad fahren kann“, erzählt ein anderer Teilnehmer.
Zukunft als Fahrradstadt?
„Die gesamte Umsetzung des Radverkehrskonzept ist auf 15 Jahre angelegt. Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, so Mario Stellmacher. Die nächsten Ziele seien ein Fahrradparkhaus in der Innenstadt, die Ausweitung der Fahrradstraßen beispielsweise in Richtung Hörsum und Langenholzen, die Neugestaltung des Radwegs an der Ziegelmasch und im Bereich Hackelmasch entlang der Leine. Hier solle dann auch eine bedarfsabhängige Beleuchtung für Sicherheit sorgen.
„Der Zustand der Radwege liegt aber nicht immer in den Händen der Stadt Alfeld“, erklärt er und weist auf die Zuständigkeiten hin. „Fahrradstadt werden wir aber nur, wenn auch Fahrrad gefahren wird“, so Mario Stellmacher.
Format „Stadtgespräche“ kommt gut an
Nach dem Thema „Radverkehrskonzept“ nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Sauberkeit, Öffnungszeiten der Stadtbücherei und Bürgeramt, Beleuchtung in den Nachtstunden und im Bereich des Hindenburgstadions anzusprechen. Neben Kritik kamen aber auch Stimmen zu Wort, die betonten, wie positiv beispielsweise der Weihnachtsmarkt, die schöne Landschaft und das ehrenamtliche Engagement zu bewerten sei. „Wäre Alfeld ein Produkt, ich würde es kaufen“, so Moderator und Ratsmitglied Lukas Lohmann.
Die „Alfelder Stadtgespräche“ sind eine parteiübergreifende Initiative der Ratsmitglieder, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen.
Nadine Fischbock (Die Grünen), Christian Voit (CDU) und Lukas Lohmann (SPD) moderierten das 4. Alfelder Stadtgespräch. „Ich freue mich über den guten Zuspruch und den sachlichen Austausch abseits der Anonymität in den sozialen Medien. Das niederschwellige Angebot kommt offensichtlich gut an und ist ein geeignetes Format, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen, Wünsche aufzunehmen oder auch zu erläutern, warum nicht alles umsetzbar ist“, fasst es Christian Voit auf Nachfrage zusammen.
Die Ratsmitglieder weisen darauf hin, dass eine Kommunikation ebenfalls bei Rats- und Ausschusssitzungen möglich sei. Das nächste Stadtgespräch zum Thema „Energiewende – Kommunale Wärmeplanung“ soll am Mittwoch, 1. April, stattfinden. (sr)
Fotos: Susanne Röthig






