Foto: Susanne Röthig

Corona-Engel und eine Schule für Äthiopien

1.12.2020 (sr) Der 5. Dezember ist Tag des Ehrenamtes. In Deutschland engagieren sich rund 31 Millionen Menschen in ihrer Freizeit für das Gemeinwohl. Ob auf dem Sportplatz, im Seniorenheim oder beim THW – das Ehrenamt bereichert das Zusammenleben. Gesellschaftliches Engagement ist nicht nur sinnvoll, es macht auch als Ausgleich zum Job, Abenteuer nach der Schule oder Weiterbildung im Ruhestand richtig Spaß. Corona hat diese Aktivitäten zwar deutlich ausgebremst, aber sie nicht unmöglich gemacht. Mit Kreativität ist es gerade jetzt in der Adventszeit möglich, anderen mit kleinen, selbst gemachten Geschenken oder einer Kontaktaufnahme per Telefon eine Freude zu machen. 

Für Brunhilde Heinrich und Lieselotte Herwig gehört das Ehrenamt zu ihrem Leben dazu. Sie sind Gesichter der Senioren-Akademie Alfeld und damit des Mehrgenerationen-Treffs Unter der Kirche 9.  

Brunhilde Heinrich ist Gründungsmitglied der SAA und seit vielen Jahren die gute Seele des Treff. Sie organisiert Ausstellungen, kocht und koordiniert das Angebot an Speisen und Getränken und bietet damit nicht nur Einzelpersonen, sondern auch vielen Gruppen einen kommunikativen Treffpunkt. Dazu gehören auch Konversationsübungen für Ausländer. 

Die ehemalige Grundschullehrerin Lieselotte Herwig ist ebenfalls im Vorstand der SAA tätig und hält unter anderem Vorträge über Kunst, Reisen, Literatur oder Frauen, organisiert Reisen, bietet Kurse „Deutsch für Ausländer“ an und hilft im Treff. „Als Mädchen für alles kümmere ich mich um das, was gerade so anfällt“, sagt die 77-Jährige, „doch durch Corona sind unsere Angebote leider sehr dezimiert worden.“ 

Beide Frauen haben aber Möglichkeiten gefunden, für Menschen da zu sein und Gutes zu tun. Brunhilde Heinrich nutzt die Zeit, um „Corona-Engel“ zu stricken und sie zusammen mit recht irdischen Engel-Geschichten zu verschenken, und das hundertfach. Lieselotte Herwig fertigt aus ihrer umfangreichen Stoffsammlung Taschen, die sie für ein soziales Projekt verkauft. „Ich biete sie oft an mit der Bemerkung, dass wir alle „die Geschicke der Welt gemeinsam zu tragen haben“. Sie hat sich vorgenommen, in Zusammenarbeit mit der Reiner Meutsch-Stiftung Fly & Help in Äthiopien eine Dorfschule zu bauen und sammelt dafür Spenden. „Eine Schule mit zwei Klassenzimmern, Lehrerzimmer und Einrichtung kostet an die 50.000 Euro. Etwa 400 Schulen in bedürftigen Regionen der Welt hat die Stiftung bereits errichtet. Örtliche Umweltverbände überwachen den Bau und die Verwendung der Mittel“, erklärt Lieselotte Herwig.  „Ich möchte damit meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Nach dem Krieg und der Vertreibung konnte ich in Westdeutschland zur Schule gehen, habe später an der Pädagogischen Hochschule Alfeld eine gute Ausbildung erhalten und war froh über die Bildungschancen, die mir geboten wurden. Daher sammele ich Spenden für das Projekt Dorfschule. Am Anfang der Corona-Zeit habe ich Alltagsmasken gefertigt, mittlerweile sind es die Taschen, die ich gegen Spenden abgebe.“ Und sie fragt sich: „Ist es vermessen, sich das Ziel zu setzen, eine ganze Schule bauen zu wollen?“ 

Mit Spitze verziert, aus nicht mehr benötigen Kleidungsstücken oder eingefärbter Tisch- und Bettwäsche: Kreativ verwendet Lieselotte Herwig „alles was Frauen einmal mit viel Liebe hergestellt haben“. Dabei entstehen nützliche Unikate, deren Weitergabe dem Spendeneinsammeln dienen und damit das Schulprojekt realisieren soll. Foto: Susanne Röthig

„Mit einer Dorfschule ergeben sich für viele Kinder Bildungschancen. Wer so ein Projekt mitträgt, investiert in die Zukunft“, wirbt Lieselotte Herwig. „Sollten Sie sich beteiligen wollen, dann können Sie kleine Beträge bei mir in etwas Selbstgenähtes eintauschen. Telefonisch erreichen Sie mich unter 05181/82060. Taschen sind auch im Mehrgenerationen-Treff und bei den Stadtpiloten erhältlich. Sollte Ihnen das Projekt mehr wert sein, können Sie direkt spenden.“

Spendenkonto: Stiftung FLY & HELP, Westerwald Bank eG, 
IBAN:  DE94 5739 1800 0000 0055 50     BIC:  GENODES1WW1
Betreff: „Schule Herwig“ + eigene Adresse (unbedingt angeben!)
Ab 50 Euro Spende erhalten Sie damit automatisch eine Spendenbescheinigung.“ Lieselotte Herwig steht für weitere Informationen gern zur Verfügung.

Lieselotte Herwig (links) und Brunhilde Heinrich planen im Mehrgenerationen-Treff für die Adventszeit. Foto: Susanne Röthig

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