SIEBEN:regional | ONLINE MAGAZINAaKontaktMediadatenLinksKalenderArchivAktuellHomeSIEBEN:regional

Lisa Wiegering auf der Palliativ-Station des Alfelder Krankenhauses.

Freundschaft auf Zeit

Hospizgruppe Leinebergland e.V. begleitet schwerkranke und sterbende Menschen / Hilfe auch für Angehörige

 

„Ich habe mich entschlossen, das zu tun“, erzählt Lisa Wiegering mit Nachdruck. „Für Menschen im Leid da zu sein. Auch für deren Angehörige. Trost spenden, Mitgefühl zeigen, aber kein Mitleid.“ Lisa Wiegering ist Mitglied beim Verein Hospizgruppe Leinetal e.V., begleitet schwerkranke beziehungsweise sterbende Menschen und bietet auch Angehörigen Unterstützung an.

 

Sie lacht kurz auf. Wie zum Beweis, dass man fröhlich sein kann, obwohl man regelmäßig mit dem Tod konfrontiert wird. Man muss sich wohl seine Heiterkeit bewahren, um helfen zu können – um sich selber öffnen zu können. Und dann ist Lisa Wiegering auch wieder ernst, sehr ernst. Wenn sie davon erzählt, wie sie von Pflegern oder Angehörigen zum Bett von Menschen gerufen wird, denen man anmerkt: es geht zu Ende.

Dann nimmt sie ein Buch zur Hand und liest vor. Das kann die Bibel sein. Vielleicht liest sie auch aus einem Gedichtband von Dietrich Bonhoeffer. Mal liest sie laut vor, mal nur stumm für sich. „Vorher spreche ich mit Menschen, die die Person kennen, damit ich weiß, was sie hören möchten, was zu ihnen passt.“ Die Glaubensrichtung, eine oder keine religiöse Zugehörigkeit, berücksichtige sie bei ihrer Arbeit.

Zehn Minuten oder eine ganze Nacht kann ein Besuch bei einem Menschen, der Begleitung erfährt, dauern. Manchmal bleibt es bei dieser einen Nacht, nicht selten finden die Gespräche und das Beieinandersein aber auch über einen langen Zeitraum statt. „Zur Zeit begleite ich einen Menschen schon im dritten Jahr“, erzählt Lore Meyer, früher Lehrerin und heute Vorsitzende des Vereins. Manchmal würden enge Bindungen entstehen, man könne nicht immer Distanz halten.

Schließlich kann man einem Menschen kaum näher sein als im Sterben. Wenn die Begleitpersonen, 20 sind derzeit für den Verein aktiv, über Aspekte ihrer Tätigkeit mit Dritten reden möchten, bekommen sie Unterstützung. In Gruppengesprächen können sie sich die Last von der Seele reden. Fachleute beraten die Gruppe zudem. Dabei gilt natürlich die Schweigepflicht und der Schutz der Persönlichkeit. Vertrauen setzt Verschwiegenheit voraus.

Seit drei Jahren gibt es den Verein. Unter dem Dach der Kirche ist viel Vorarbeit geleistet worden. Über 20 Personen sind bisher professionell vorbereitet worden. Weitere neun befinden sich in der Ausbildung und stoßen im März 2010 zu dem Team.

In der Zeit seit Bestehen des Vereins hat sich eine enge Zusammenarbeit mit der Palliativ-Station des Alfelder Krankenhauses entwickelt. „Diese Einrichtung ist etwas ganz Wunderbares“, schwärmt Lisa Wiegering von der warmherzigen Betreuung dort. Viele Menschen möchten aber auch nach Hause. Dort werden sie dann auf Wunsch auch von den Begleitern aufgesucht. „Viele haben Angst, dass sie unerträgliche Schmerzen haben werden, aber die Palliativ-Medizin bietet heute gute Möglichkeiten der Linderung.“

Das Gebiet, dass die Hospizgruppe Leinebergland betreut, entspricht in etwa dem Altkreis Alfeld. „Rund 40 Begleitungen haben wir im Jahr“, berichtet Birgit Reither, sie koordiniert mit der Kollegin Gabriele Plondzew die Besuche für den Verein. „Wir machen keine Fließbandbetreuungen, achten auch darauf, dass unsere Begleiter nicht überbeansprucht werden.“ Sie weist auch darauf hin, dass die Betreuungen für die Unterstützung Suchenden kostenlos sind.

Wenn Lisa Wiegering eine Betreuung im Krankenhaus Alfeld hatte, dann geht sie meist den Weg zurück nach Hause zu Fuß. „Dabei kann ich meine Gedanken ordnen, mich sammeln, wieder zu mir finden“, erzählt sie. Schon als Kind fand sie es gut, anderen helfen zu können. Bei der Hospizgruppe hat sie eine Tätigkeit gefunden, die ihr viel gibt und bei der sie unendlich viel geben kann.

(hst)

 
TeaserBox
 

Zusatzinformationen

www.hospizgruppe-leinebergland.de

E-Mail: HospizgruppeLeinebergland@web.de

 

Konto:

Volksbank Alfeld, BLZ 278 937 60,

Konto-Nr.: 300 300 3000